Orangerie für fliegende Untertassen

Durch die Korridore und Tunnel rollten Loren, schwebten Luftschiffe oder Ballons, liefen und flogen Wissenschaftlerdämonen ihren Geschäften nach. Manchmal nickte der eine oder andere Danilow im Vorübereilen zu, darunter auch Bekannte, aber Gespräche kamen nicht zustande – es war Arbeitszeit.

Einige Bezeichnungen flammten in feurigen Buchstaben: „Betäubungslabor“, „Orangerie für fliegende Untertassen“, Institut zur Entwicklung von Optimalmethoden für das Kämmen von grünen Nixenhaaren“ (was für Haare haben sie denn noch? fragte sich Danilow), „Akademie des bösen Blicks“, „Lager für künstliche Intellekte“, „Saal für raffinierte Klügeleien“, „Institut für den umgestülpten Strumpf“, „Versuchsgelände für historische Persönlichkeiten“. Diese Bezeichnungen waren für Danilow nichts Besonderes. Nur eine ließ ihn aufmerken: „Kommission für den Einsatz ertrunkener Musiker“. Dass ertrunkene Musiker verwendet wurden, wusste Danilow, aber dass eine spezielle Kommission dafür existierte, war ihm neu. Er wollte sie sofort aufsuchen. Aber wie konnte er da einfach hineingehen, was sollte er sagen? Unentschlossen stand er vor der Tür herum und ging dann weiter.

An ihm vorüber eilte ein Mitarbeiter, der Danilow bekannt vorkam. (Sie nickten sich zu.) Er ließ ein paar Töpfe mit irgendwelchen Setzlingen fallen. Danilow hob sie auf. Wo will der hin? fragte er sich. Wie sich herausstellte, ging er in die Orangerie für fliegende Untertassen, die auf der Erde auch Ufos genannt wurden. Unter Glaskuppeln wuchsen sie bei warmer Luft an grünen Stielen und Stämmen. Die großen und kleinen Objekte sahen tatsächlich wie Küchenteller aus. Einige hatten sogar den Umfang der untergegangenen „Queen Mary“. In einer Riesenhalle hinter der Orangerie befanden sich die Mittel zur Beförderung der Untertassen auf die Erde. Viele Bewohner der Neun Sphären kritisierten die Untertassen und hielten sie für Spielerei. Sie waren es auch! Aber warum auch nicht mal Spielereien?

 

(Aus: Wladimir Orlow, "Das irdische und das dämonische Leben des Musikers Danilow")