Vermittlung und Reflexionsidentität (3)

Wir verstehen jetzt, warum der deutsche Idealismus so erbittert gegen die formale Logik kämpft. Solange diese nämlich der Philosophie als Organon zugrunde gelegt wird, ist eine Ableitung der besonderen Bestimmungen des Denkens aus der Einheit des absolut Allgemeinen völlig unmöglich. Die formale Logik legt nämlich einen anderen Form- und Inhaltsbegriff dem Denken zugrunde; insbesondere einen Formbegriff, der von sich aus selbst den geringsten Versuch einer gegenseitigen Ableitung von Form und Inhalt, wie sie der Idealismus als dringend fordert, im Keime erstickt. Aber diesem Kampf liegt ein Missverständnis zugrunde. Der Idealismus kennt die formale Logik nur als die Gestalt der traditionellen Logik. Gegen sie geht eigentlich der Kampf, gegen sie und gegen den höchst speziellen Formbegriff, der von ihr entwickelt wird. Diese Form aber ist die zweiwertige Abstraktion. Was der deutsche Idealismus in Wirklichkeit – und wie wir glauben, mit vollem Recht - ablehnt, ist die einfache Alternativlogik als Logik der Philosophie. Keinesfalls aber die logische Form überhaupt. Man könnte eher umgekehrt sagen – das gilt besonders für Hegel -, dass der Inhalt derart von der Formkraft des Gedankens aufgesaugt wird, dass er schließlich selbst zur Form niederer Bestimmung wird und Inhalt nur noch relativ für höhere Formen bleibt. Der „Inhalt“ eines jeden Begriffs ist selber ein Begriff.

 

(Aus: Gotthard Günther, „Idee und Grundriß einer nicht-Aristotelischen Logik“, Felix Meiner Verlag, 1978, S. 361)

 

 

Begreift man die einfache Alternativlogik als formale Entsprechung des Ich/Welt-, Subjekt/Objekt-, Körper/Geist-, Innen/Außen- usw. Weltverständnisses, wird klar, wie aussichtslos der Kampf gegen diese Art der formalen Logik sein muss, wenn man gleichzeitig weiterhin von genau diesem Weltverständnis ausgeht.