Es ist gut konstruiert.

 

Und?

 

Ich meine ja nur... Es stimmt alles.

 

Wozu?

 

Eben alles richtig gemacht.

 

Und nun?

 

Ich finde es einfach gut.

 

Mmh...

 

Kannst du denn gar nichts damit anfangen?

 

Anfangen?

 

Du musst doch zugeben, dass es perfekt gemacht ist.

 

Zugeben?

 

Fällt dir denn gar nichts dazu ein?

 

Doch.

 

Und was?

 

Hajajajajaaaah!

Herr Schmitt?

 

Ja?

 

Sind Sie es?

 

Es? Welches Es? Ich bin kein Es!

 

Oh, dann sind Sie es also nicht?

 

Habe ich gerade gesagt! Ich bin kein Es!

 

Das gibt mir jetzt zu denken. Ich war mir recht sicher, dass Sie es sind.

 

Sie gehören wohl zu der Sorte Mensch, denen es schwerfällt, Dinge zu akzeptieren, die nicht in ihr Weltbild passen. Also, zum letzten Mal, ich bin kein Es!

 

Mmh, wer sind Sie dann?

 

Ich oder Du, je nachdem.

 

Du? Mir wäre es lieber, wenn wir beim Sie bleiben würden.

 

Ihnen wäre Es lieber? Können Sie nicht woanders nach einem Es suchen? Ich bin jedenfalls kein Es! So langsam wird die Sache doch etwas anstrengend.

 

Sie sagen es!

 

Ich sage Es? Sie sagen doch ständig Es! Wie kommen Sie dazu, zu behaupten, ich würde Es sagen?

 

Ich gebe es auf!

 

Sehr gut! Demnach besteht doch noch Hoffnung für Sie! Das Es aufgeben! So ist Es recht! Der Anfang ist schwierig. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Doch Sie schaffen das. So wie ich das geschafft habe. Sie sind damit auf einem guten Weg. Ach, übrigens, ich bin Herr Schmitt.

 

Ich wusste es!

 

Sie sind ein hoffnungsloser Fall!

Der feine Unterschied

 

Mein lieber Herr Knäckebrot! Wie geht es Ihnen heute? Ach, wie ich Sie doch beneide! Diese Eleganz! Wie machen Sie das nur?

 

Hä? Spinnst du, oder was? Oder übst du wieder für ein Theaterstück?

 

Aber, aber, mein lieber Herr Knäckebrot! Spielen wir nicht alle ein bisschen Theater? Versuchen wir nicht alle zu vermeiden, dass wir aus unseren Rollen fallen? Nun tun Sie doch nicht so, mein lieber Herr Knäckebrot! Sie spielen Ihre Rolle doch ganz ausgezeichnet. Mein Kompliment. Nur keine falsche Bescheidenheit. Sie, als einer der Besten auf Ihrem Gebiet!

 

Gebiet? Was quatschst du da? Welches Gebiet?

 

Sie sind ein Tiefstapler, mein lieber Freund! Ein ganz gewaltiger Tiefstapler! Ich kenne keinen hier, der sein Frühstück auch nur annähernd mit einer solchen Eleganz in sich hineinstopft. Mit welch unglaublicher Geschicklichkeit es Ihnen gelingt, Nahrungsteilchen im Raum zu verteilen. Das macht Ihnen wirklich keiner nach. Dafür muss man geboren sein. Und diese wunderbaren Geräusche! Schwanengesang, ja Schwanengesang, das ist es, was mir dazu einfällt! Ich wünschte, es könnte ewig so weitergehen!

 

Verstehe kein Wort.

 

Das Vorrecht des Genies, mein lieber Knäckebrot, das Vorrecht des Genies. Ich würde Ihnen gern noch weiter Gesellschaft leisten, doch leider, wissen Sie, mein Magen. Der ist ja so sensibel. Der ist Ihnen einfach nicht gewachsen. Dummer kleiner Magen! Macht mir immer einen Strich durch die Rechnung. Sie sind mir doch nicht böse, wenn ich Sie schon verlasse?

 

Hä?

 

Ich danke Ihnen vielmals. Auf bald, mein lieber Knäckebrot, auf bald.

 

Weißt du, wie mir das vorkommt? Das ist so, wie in dem Gleichnis vom Schaf und der Teetasse.

 

Ja, genau! Deshalb kam mir das so bekannt vor! Eine herrliche Geschichte. Die hatte ich schon fast vergessen. Da werden Erinnerungen wach...

 

Früher hatte ich mich immer gefragt, was das mit den Teeblättern auf sich hat. Ich hatte die mir immer so riesig vorgestellt.

 

Witzig! Das konnte natürlich nicht funktionieren. Trinkst du eigentlich Tee?

 

Überhaupt nicht.

 

Ich auch nicht. Trotzdem ist es ein schönes Gleichnis.

Macht das denn Sinn?

 

Klar.

 

Für mich nicht.

 

Wer bist du?

 

Irgendjemand.

 

Das bin auch.

 

Da wären wir schon zwei.

 

Da muss ich widersprechen.

 

Warum?

 

Ich versuche, nicht mit dir zu kommunizieren. Ich weiß, das ist nicht möglich. Ich gehe besser.

 

Aber wir haben doch gerade erst angefangen.

 

Und da soll es auch enden. Ich wollte dich nie kennenlernen, aber man kann es sich nicht immer aussuchen.

 

Ich werde allen meinen Freunden von dir erzählen, dann kennen die dich auch.

 

Mir wird schlecht.

 

So übel sind die gar nicht.

 

Hast du nichts Besseres zu tun?

 

Was spricht gegen eine nette Unterhaltung?

 

Gehören da nicht zwei dazu?

 

Jetzt verstehen wir uns.

 

Ich muss weg.

 

Wir sehen uns!

Alles wird klar mit der Selbsterkenntnis.

 

Ich und Welt. Subjekt und Objekt. Da brauch man nicht draußen suchen. Wie auch?

 

Ich innen, Welt außen. Oder? Vergiss es. Vergiss innen und außen.

 

Das erkennende Subjekt und das zu erkennende Objekt. Das wird ja immer verrückter.

 

Wie war das nochmal mit links und rechts? Produkt des Nervensystems. So wie auch Subjekt und Objekt.

 

Gibt es noch mehr zu sagen?

Try some Koan's

Wir, die nützlichen Idioten der Chinesen

In der Erkenntnis, dass das Beobachtete keine Existenz hat,

die vom Beobachter getrennt wäre

In der Erkenntnis, dass der Beobachter keine Existenz hat,

die vom Beobachteten getrennt wäre

Wird der gespaltene Geist wieder vereint.

 

(Wei Wu Wei (Metaphysiker,Taoist 1895-1986) Das offenbare Geheimnis)

Materie hat Masse,

den Geist ich nicht fasse.

Doch hat es gegeben

schon immer das Leben,

wo ich mal tue, mal lasse.

Der Einfluss der Ampelfarben auf die Wahlentscheidung

 

Du bist mir vielleicht ein Spaßvögler!

 

Egal ob Heteröopath oder Homöopath, ob Elefant, Sympathisant oder Sandstrand, entweder mag ich jemanden, oder ich mag ihn nicht. Und das ist auch schon alles.

Die unglaubliche Diskrepanz zwischen den Symbolen und ihrer Bedeutung. Es ist diese krasse Form der absoluten Leblosigkeit. Dieser Übergang vom Leben zum Tod. Während ein niedergeschriebener mathematischer oder logischer Ausdruck in seiner Niederschrift vollkommen identisch ist mit seiner Existenz, ist es beim Niederschreiben dieses Textes vollkommen anders. Ein Extrembeispiel ist sicherlich das chinesische Schriftzeichen. Hier bleibt das Symbol in seiner Niederschrift vereint mit dem Erzeuger der Niederschrift. Das ist eher wie bei einem Maler und seinem Bild. Das Bild bleibt. Die Schrift ist tot. Im Falle der Formel auf jeden Fall. Es die Kunst des Schriftstellers, die leblose Abfolgen von Zeichen mit Leben zu versehen. Starre nicht auf die Zeichen! Du starrst auf den Tod!

 

Ist die wissenschaftliche Sprache ungeeignet für philosophische Themen?

Warum sind Philosophiebücher so dick? Und warum benötigt ein Gedicht nur wenige Zeilen und kann dabei doch viel mehr ausdrücken?

Kann ein Aufgeschriebenes für sich selbst funktionieren? Und wenn ja, was sind seine Grenzen?

Warum etwas als Frage formulieren, wo die Antwort doch klar ist?

 

Hast du kurz Zeit?

 

Ist gerade schlecht. Ich muss noch den Hund und die Kinder füttern.

 

Klingt lustig. Wie in diesem Kinderlied: I have to feed my fish and my father. Oder so ähnlich ging das doch.

 

Ja, ich erinnere mich. Dann ging das noch weiter mit Hund und Bruder, Katze und Schwester. Nur welches Tier war das bei der Mutter? Will mir nicht einfallen. Weißt du es noch?

 

Nö, bei mir hat die Erinnerung schon bei fish and father aufgehört.

 

Ist ja auch egal.

 

Genau. Am Ende sind alle satt. Hoffentlich.

Dieses ständige Herumlungern, das kann ich nicht mehr ertragen. Geht doch nach Hause, falls ihr so etwas habt. Oder tut wenigstens so, als hättet ihr was zu tun. Und was soll dieser permanente Koffeinkonsum bringen? Das ist doch nicht gesund. Ich meine, wenn man nichts zu tun hat, dann ist das halt so. Kann ja mal vorkommen. Aber jeden Tag? 17 Uhr. Endlich. Geschafft. Na, Gott sei Dank. Dann bis morgen, Kollegen. Büroarbeit wird echt unterschätzt.

Achtundachtzigster Brief

 

Usbek an Rhedi in Venedig

 

In Paris herrschen Freiheit und Gleichheit. Die Herkunft, die Tugend, selbst die im Kriege erworbenen Verdienste, so glänzend sie auch sein mögen, heben niemand aus der Menge heraus, in der er untergeht. Man sagt, in Paris sei derjenige der erste, der die besten Pferde vor seinem Wagen hat.

Ein hoher adliger Herr ist ein Mann, der den König sieht, der mit den Ministern spricht, der Ahnen, Schulden und Pensionen besitzt. Wenn er dann noch sein Nichtstun hinter einem geschäftigen Aussehen oder einem vorgetäuschten Hang für Vergnügungen zu verbergen versteht, dann hält er sich für den glücklichsten Menschen.

In Persien sind nur diejenigen hohe Herren, denen der Monarch irgendeinen Anteil an der Regierung gibt. Hier finden sich Leute, die groß sind durch ihre Geburt, aber kein Ansehen haben. Die Könige handeln wie die geschickten Arbeiter, die sich bei der Ausführung ihrer Werke immer der einfachen Maschinen bedienen.

Die große Gottheit der Franzosen ist der Gunstbeweis. Ihr Hohepriester ist der Minister, der ihr sehr viele Opfer darbringt. Die ihn umgeben, sind nicht weiß gekleidet, denn sie sind einmal Opfernde und einmal Geopferte und bringen sich selbst mit dem ganzen Volk ihrem Götzenbild zum Opfer dar.

 

Paris, am 9. des Monats Dschumada II, 1715

 

(Aus: Montesquieu, „Persische Briefe“, Reclam, 2004, S.166/167)

 

Hank regt sich auf

 

Ruhig, Hank. Ganz ruhig.

 

Nein, ich bleibe nicht ruhig. Denn diese permanente Bevormundung durch diese selbsternannten Weltverbesserer geht mir ganz gewaltig gegen den Strich. 

Die Sonne stand tief. Er trug seine Sonnenbrille. Er liebte es, in die tiefstehende Sonne zu blicken. Das rief in ihm immer ein ganz bestimmtes, angenehmes Gefühl hervor. Die Zufriedenheit des Lonesome Cowboy. Und es war so einfach. Inzwischen hatte er es so weit gebracht, diesen Gemütszustand jederzeit hervorrufen zu können. Selbst beim Anstehen an der Kasse des Supermarktes. Und anstehen musste man jedes Mal. Nachdem unser Held bezahlt hatte, schob er sein Einkaufswägelchen, den angenehmen Zustand weiterhin aufrechterhaltend, zu seinem Auto. Er hatte die absolute Distanz zu den Banalitäten des Alltags gewonnen. Die anderen Menschen? Die waren da. So wie alles da war. Jetzt anschnallen und nach Hause. Im Auto war es laut. Angenehm laut. Wohlfühl laut. Das Gehirn wurde von der Musik gleichsam durchtränkt. Und wenn jetzt noch die Sonne flach durch die Frontscheibe schien... Zu Hause angekommen. Ihm blieb noch eine halbe Stunde für das Wohlgefühl. Und das genügte vollends. Die Gewissheit der eigenen vier Wände machte die Sonnenbrille überflüssig. Doch ab und zu, wenn er mal allein im Haus war, setzte er auch hier die Sonnenbrille auf, tauchte sein Gehirn in den Strom der Schallwellen und vollführte eine Reihe merkwürdiger Bewegungen, bis er die Fesseln des irdischen Dasein nicht mehr spürte.

 

 

Der Super-Recognizer

 

Prometheus' Tod (Kein Feuer, keine Menschen)

 

 

Ich verstehe dich nicht.

 

Soll ich lauter reden?

 

Das würde nichts ändern.

 

Dann wiederhole ich es nochmal?

 

Bloß nicht. Ich hasse Wiederholungen.

 

Und nun?

 

Gib einfach mir die Schuld, dass ich dich nicht verstehe, dass ich nicht die Fähigkeit besitze, deinen tiefsinnigen Gedanken zu folgen. Und es ist meine Schuld, dass ich nicht den ganzen Tag damit zubringe, mich auf mögliche bevorstehende Äußerungen deinerseits zu konzentrieren. Ständig wage ich es, meinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Wie unglaublich egoistisch von mir. Welch eine Missachtung deiner bewunderungswürdigen Persönlichkeit.

 

Ok, dann wiederhole ich es einfach noch einmal.

 

Ich bin ganz Ohr.

 

Hey, was tust du eigentlich gegen die Hitze. Ich schwitze. Verdammt clever. Ich weiß. Uns sonst? Sonst weiß ich nichts. Hab ich mir gedacht. Warum fragst du dann? Nur so. Ach so. Und was würdest du tun, wenn es nicht so heiß wäre? Nicht schwitzen. Cool. Genau. Und du? Keine Ahnung. Verdammt clever. Hä? Na, du weißt schon. Was? Na das. Ach so. Sag ich doch. Warum nicht gleich? Dachte, du weißt das. Nö. Habe ich echt gedacht. Ehrlich? Klar. Ist ja `n Ding. Und was für eins. Und sonst? Geht so. Bei dir? Alles bestens. Klar. Immer noch verdammt heiß. Du sagst es. Was tut man da? Keine Ahnung. Schwitzen? Ist eine Möglichkeit. Gibt’s andere? Klar. Und? Nicht schwitzen. Hmm. Denk mal drüber nach. Zu heiß zum Nachdenken. Auch wieder wahr. Und wie ist es? Immer noch heiß. Verdammt. Weißt du was? Nö. Ich auch nicht. Dachte ich mir. Wieso? Na wegen der Hitze. Ach so. Genau. Und wie weiter? Immer weiter. Immer weiter? Na klar. Was sonst? Sage ich doch. Meinetwegen. Von mir aus. Und von mir aus. Also von uns aus? Genau. Verstehe. Irgendwas getan? Immer noch heiß. Und sonst? Nichts. Wie nichts? Eben nichts. Geht das? Na klar. Und wie? Einfach so. Einfach so? Einfach so. Ach so. Genau. Erstaunlich. Tatsächlich? Denk schon. Nicht wirklich. Echt nicht? Nö. Verdammt. Was ist? Immer noch heiß. Ich weiß. Und jetzt? Schwitzen. Bin dabei. Danke. Gern geschehen. Gern genommen. Was? Das dabei. Ach so. Und? Immer noch heiß.

Bleiben wir doch der Einfachheit halber bei den logischen Paradoxien. In unserem Universum, dem großen Mechanismus, befindet sich, zu einem bestimmten Zeitpunkt, alles an einem bestimmten Ort und hat einen bestimmten Zustand. Auch hier macht uns die Quantenmechanik wieder einen Strich durch die Rechnung. Zum Verständnis des Paradoxons wollen wir sie daher beiseitelassen. Wenn man nun die Funktion des Mechanismus genau verstanden hätte, dann könnte man, rein theoretisch, vorhersagen, in welchem Zustand sich der Mechanismus zu einem anderen Zeitpunkt befindet, in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Man kann den Mechanismus gedanklich schneller, langsamer, vorwärts, rückwärts oder überhaupt nicht ablaufen lassen. Wir wissen zwar, dass das in der Wirklichkeit nicht funktioniert, doch die Vorstellung von einem Mechanismus lässt es zu. Zeit ist demnach nichts, was vom Mechanismus generiert wird, denn dann wäre sein Ablauf irreversibel und es wäre kein Mechanismus mehr. Zeit ist für den Mechanismus nicht relevant. Raum und Zeit bilden seinen Hintergrund. Das ist sehr schön veranschaulicht in der bekannten Paradoxie von Achilles und der Schildkröte. Hier wird behauptet, dass Achilles die Schildkröte, die mit einem Vorsprung startet, nie einholen könne. Er läuft zwar schneller, nähert sich der Schildkröte immer mehr, doch ist die Schildkröte dann auch schon wieder etwas weiter. Der anfängliche Vorsprung der Schildkröte wird nie vollständig verschwinden. Da ist erst einmal kein Fehler zu entdecken. Und doch der Widerspruch zur Wirklichkeit. Was wir tun müssen ist, den Verlauf des Wettrennens als Teil des großen Mechanismus zu betrachten. Damit können wir, wie oben beschrieben, das Wettrennen gedanklich schneller oder langsamer ablaufen lassen. Da gibt es keine Einschränkung. Für das Paradoxon wurde nun ein ganz bestimmtes Szenario ausgewählt. Die Änderungsgeschwindigkeit des Mechanismus, und damit die Geschwindigkeit der Läufer, werden kontinuierlich verringert, bis auf null, und daher sieht es so aus, als könne Achilles die Schildkröte nicht überholen. Raum und Zeit bilden den Hintergrund für den Mechanismus, sind kein Produkt des Mechanismus. Der Mechanismus kann keine Erklärung für seinen Hintergrund liefern.

Bevor es richtig losgeht, ein kleines Gedankenexperiment. Bei einigen Tieren gibt es den Magnetsinn. Jetzt stellen wir uns vor, dass wir ganz plötzlich auch über ein entsprechendes Sinnesorgan verfügen würden. Wenn wir uns nun relativ zum Erdmagnetfeld bewegen, dann ändern sich die Muster der Magnetsinneszellen. Wie reagiert unser Nervensystem? Da gibt es plötzlich einen Zusammenhang  von Bewegung und neuronaler Aktivität, der sich nicht so richtig zuordnen lässt. Der Zusammenhang ist nicht zufällig. Er ist reproduzierbar. Und er unterscheidet sich von den Zusammenhängen von Bewegung und sensorischer Rückmeldung der anderen Sinnesorgane. Was das neue Ding macht? Eine ganz merkwürdige Sache. Ich habe festgestellt, dass sich nichts ändert, wenn ich immer in dieselbe Richtung gehe, stundenlang, sogar im Dunkeln. Aber warum sollte ich das tun? Man müsste schon fliegen können. Doch genug davon. Weiter geht es mit dem Sehen.

Wir schlagen die Augen auf, der Vorhang öffnet sich. Eine Welt voller Farben, Formen und Bewegungen. Eine Flut von Bildern ergießt sich durch Hornhaut, Pupille, Linse, Glaskörper, Netzhaut, Sehnerv bis in unser Gehirn hinein, wo sich komplizierte Muster bilden. Die werden gespeichert und lassen sich wie ein Film betrachten. Gibt es in meinem Inneren einen Betrachter, der sich die Bilder ansieht? Und wenn der Betrachter auf dieselbe Art und Weise funktioniert, wer sieht sich die Bilder im Betrachter an? Ein weiterer Betrachter? Unendlicher Regress. Wenn ich eine Tasse vor mir sehe, dann sehe ich diese Tasse keinesfalls in meinem Inneren. Sie steht direkt vor mir, ich kann danach greifen und daraus trinken. Wie sollte ich nach einem Bild in meinem Inneren greifen und daraus trinken? Nein, ich sehe die Tasse vor mir, sie ist real. Aber ich kann die Augen schließen und mir die Tasse vorstellen. Dann habe ich tatsächlich ein Bild von der Tasse. Ich kann weder danach greifen, noch daraus trinken. Sie ist nicht real. Sehen muss etwas anderes sein, als das Empfangen von Bildern. Kameras empfangen Bilder. Aber können die sehen?

Eine Alternative zum Konzept der Bildübertragung ist die Bildkonstruktion als Leistung unseres Nervensystems. Die Sehsinneszellen senden nur elektrische Impulse. Diese Impulse beeinflussen einen permanent ablaufenden Prozess, bei dem die Bilder als Resultate entstehen. Das klingt schon besser als Bildübertragung. Aber man hat irgendwie das Gefühl, den Kontakt zur Außenwelt verloren zu haben. Die Welt als Illusion. Das widerspricht völlig unserer Erfahrung von einer sehr realen Welt.

Was nun? Wir haben zwei Alternativen, die uns beide nicht so richtig zufriedenstellen. Die Bildübertragung entspricht unserer Erfahrung, führt jedoch zu logischen Widersprüchen. Die Bildkonstruktion steht in Einklang mit der Arbeitsweise unseres Nervensystems, widerspricht jedoch völlig unserer Erfahrung. Die klassische Zwickmühle. Versuchen wir etwas Abstand zu gewinnen. Daher hier ein kurzer Einschub, der uns vielleicht auf eine andere Spur bringen könnte.

Wie können wir sicher sein, dass ein Gegenstand wirklich existiert? Wir verlassen uns auf unsere Erfahrung, wir haben etwas gelernt, es hat sich immer wieder bestätigt, wir sind uns sicher, besitzen Gewissheit. Einerseits sind wir verblüfft, wenn es dann doch nicht so ist. Dann war es eine Illusion oder eine optische Täuschung. Andererseits zweifeln wir, wenn wir einen Gegenstand in einer völlig unpassenden Umgebung vorfinden. Dann trauen wir unseren Augen nicht und überprüfen, ob der Gegenstand wirklich real ist. Wie tun wir das? Wir laufen beispielsweise um den Gegenstand herum. Das ist schon mal ganz gut, dann hat er zumindest eine räumliche Ausdehnung. Um ganz sicher zu sein, greifen wir nach dem Gegenstand, und wenn es sich plausibel anfühlt, dann ist der Gegenstand wahrscheinlich real.

Doch zurück zu unserer Zwickmühle, der Alternative von Bildübertragung und Bildkonstruktion. Beide Optionen liefern kein geeignetes Modell, um das Sehen plausibel erklären zu können. Und doch funktioniert es in der Praxis. Was ist also zu tun? Üblicherweise sucht man nach Voraussetzungen oder Annahmen, die beiden Alternativen gleichermaßen zugrunde liegen. Oft ist man sich dieser stillschweigenden Voraussetzungen nicht bewusst. Den beiden Alternativen muss etwas gemeinsam sein, das der funktionierenden Praxis widerspricht. Was das ist? Das ist nicht einfach zu beantworten, da wir ja gerade versuchen wollen, ein Erklärungsmodell für die funktionierende Praxis zu finden. Den Widerspruch von Praxis und Erklärungsmodell erleben wir häufig. Wir sind dann unzufrieden mit der angebotenen Theorie. Sie deckt sich nicht mit unserer Erfahrung. Was also stört uns an den Optionen Bildübertragung und Bildkonstruktion? Wir haben das Gefühl, das wir das nicht sind. Da ist keine Lebendigkeit, keine Aktivität als Lebewesen, kein Handeln und Wollen. Die Erklärungsmodelle könnten genauso gut für technische Geräte gemacht sein. Genau darauf läuft es letztendlich hinaus. Wir wollen uns als Lebewesen wiederfinden, denn wir fühlen uns lebendig, haben einen Willen und treffen Entscheidungen. Was fehlt, ist die Handlung. Nicht im Sinne von irgendeiner Bewegung im luftleeren Raum, sondern die Handlung in der Welt und bezogen auf die Welt. Den Konzepten von Bildübertragung und Bildkonstruktion ist gemeinsam, dass Veränderungen immer erst in der Umwelt auftreten und dann, wie im Falle der Bildübertragung, direkt im Empfänger ankommen, oder wie im Falle der Bildkonstruktion, im Empfänger erst noch konstruiert werden. Es fehlt die Handlung des Individuums bezogen auf den Gegenstand. Und diese Handlung ist das Begreifen des Gegenstandes, im ganz wörtlichen Sinne. Dann haben wir nicht mehr dieses Verhältnis von Sender und Empfänger, sondern einen Kreis von Aktivität und Rückmeldung. Sehen wird also erlernt und zwar in Zusammenhang mit Bewegung. Und dieser erlernte Zusammenhang, als Verschmelzung von Handlung, als Bewegung im Raum, und sensorischer Rückmeldung, bleibt als Gedächtnis bestehen. Das Nervensystem ist damit in der Lage, die Konstruktion zu leisten, die wir Sehen nennen, mit den angeregten Sehsinneszellen als Auslöser. Ohne Gedächtnis würde Sehen, so wie wir es verstehen, auch keinen Sinn machen. Dann wäre Sehen nicht Teil unserer Welt und wir würden uns auf andere Art und Weise orientieren. Sehen, Gedächtnis und Mobilität hängen daher eng zusammen. Ortsfeste Lebewesen hätten keinen großen Nutzen von Sehen und Gedächtnis. Und diese starke Beteiligung des Gedächtnisses am Sehvorgang ist es, die uns glauben lässt, dass die Bilder in der Umwelt schon vorhanden sind. Der Eindruck dieser massiven Realität der Welt, die wir betrachten, kommt also daher, dass wir uns in der Welt bewegen und dadurch den Raum, in dem wir uns bewegen, erlernen. Der Raum wird dabei nicht nur erfühlt, sondern auch ersehen. Beim Sehen geht es also weniger um Bilder, als vielmehr um das Abrufen von Handlungszusammenhängen, die erlernt wurden durch Bewegung in der Umgebung, unter Einbeziehung von bestimmten physikalischen Gegebenheiten, wie beispielsweise der Veränderung von Frequenz und Intensität von Lichtwellen. Das ermöglicht eine schnellere und sicherere Fortbewegung und ein frühzeitiges Erkennen relevanter Änderungen in der Umwelt. Letztendlich war die Option der Bildkonstruktion nicht falsch, sondern nur unvollständig. Erst im Zusammenhang mit dem Erlernen des Sehens beim Erlernen des Raums ergibt sich die Welt, so wie wir sie erleben. Nicht als Illusion, die in unserem Gehirn entsteht, sondern als real, begreifbar und veränderbar. Wenn wir die Augen schließen, sind die Gegenstände nicht verschwunden, es kommt nur ein Teil des Erlernten nicht mehr zur Anwendung. Dazu sei in diesem Zusammenhang auf den sogenannten REM-Schlaf verwiesen, den Schlaf der schnellen Augenbewegungen, die Schlafphase, in der hauptsächlich geträumt wird. Bild und Bewegung.

Was für das Sehen gilt, gilt gleichermaßen für die anderen Sinne, wie beispielsweise das Hören. Ob Sehen oder Hören, das macht keinen Unterschied, wenn man allein die Nervenzellen betrachtet. Die können nur mehr oder weniger angeregt sein. Und doch können wir Sehen und Hören unterscheiden, da sich beim Erlernen des Raumes durch Bewegung, für die verschiedenen Typen von Sinneszellen unterschiedliche sensorische Muster ergeben. Eine Bewegung des Augapfels beispielsweise, wirkt sich nicht auf die Hörsinneszellen aus. Hier ist die Zuordnung eindeutig. Das muss nicht immer so sein, Überlappungen sind denkbar. Ein Zusammenhang mit dem Thema Synästhesie ist anzunehmen.

Die Wahrnehmungen, als mentale Zustände, sind demnach erlernte Handlungszusammenhänge. Das klingt vielleicht etwas ungewohnt, wird aber in einem späteren Kapitel nochmal wichtig.

Hier noch eine Anmerkung, die vielleicht etwas seltsam anmutet. Es scheint für uns selbstverständlich zu sein, dass sich immer alles um unsere Sinneswahrnehmungen dreht. Darauf basierend glauben wir sogar, die Welt da draußen beschreiben zu können. Doch bestehen wir nicht nur aus dem Nervensystem. Und die, vielleicht nicht ganz ernst gemeinte Frage muss erlaubt sein, welche Vorstellungen beispielsweise unser Immunsystem von seiner Umwelt hat?

 

Einer muss doch mal sagen, wie es ist. Diese Ungewissheit halte ich nicht mehr aus. Hat den keiner die Antwort? Ich will mich nicht mit anderen über Weltbilder verständigen müssen. Ich brauche Gewissheit, verdammt noch mal. Erst dachte ich an die Wissenschaften. Aber scheinbar sind die sich auch nicht sicher. Also doch der liebe Gott? Ist mir zu weit weg. Auch wenn andere das Gegenteil behaupten. Vielleicht stürze ich mich einfach in die Arbeit. Nicht dran denken. Aber wozu? Was hat das für einen Sinn? Auch ich brauche nun mal diesen verdammten Sinn. Oder Betäubung. Drogen. Legale natürlich. Ärger kann ich nicht brauchen. Zum Glück ist zur Zeit Fußball WM. Und wenn die vorbei ist? Dann mache ich es einfach, wie die meisten. Ich suche mir ein schönes Feindbild. Das schafft Emotionen. Nicht die besten. Zugegeben. Aber immerhin. So, das soll es nun sein, oder was? Ich hab ja noch die stille Hoffnung, dass das mit der Raumfahrt endlich mal hinhaut. Das wär doch was. Oder künstliche Intelligenz. Wenn es schon keine Gewissheit bei den Menschen auf der Erde gibt, dann vielleicht außerhalb, oder von super-intelligenten Maschinen. Halt ich ehrlich gesagt für Quatsch. Also weiter die Tage runterreißen und sich betäuben, abwarten und zusehen, wie es dem Ende zugeht. Verdammt, so pessimistisch sollte es eigentlich nicht sein. Kommen sicher wieder bessere Tage...

 

Die sich fremd sind

Das ist es. Es hat mich. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr hat es mich. Nicht dran denken. Nicht dran denken, ist dran denken. Na, und? Was kann schon passieren? Ich kann es ja doch nicht loswerden. Das Unfassbare. Das Unbegreifliche. Anfang und Ende. Unerschöpflicher Quell. Alles verschlingend. Alles schaffend. Mit eigener Zeit, eigenen Regeln. Ich bin es und ich bin es nicht. Nicht zu bändigen. Der Urgrund. Und doch nicht das Eine. Auch nicht die Vielheit. Nicht gleich. Nicht unterschiedlich. Das absolut Andere, Fremde. Vielheit von Fremdheiten. Alles ist allen fremd. Vorerst.

Das Fremde. Das, worüber man nichts sagen kann, außer dass man nichts darüber sagen kann.

Man kann nicht einmal sagen, ob es Unterschiede gibt. Man weiß es einfach nicht.

 

Die Diktatur der Funktionalität

Der Ausbau der uns umgebenden Funktionalitäten schreitet unaufhaltsam voran. 

Der Mensch kennt noch nicht einmal sich selbst. Hat keine Ahnung was das Ich ist. Schlägt sich immer noch mit logischen Paradoxien herum. Diskutiert über die Existenz des freien Willens, streitet über die Existenz Gottes, während um ihn herum die Maschinen mehr und mehr in jeden einzelnen Bereich seiner Existenz eindringen. Nein, vielmehr ist es so, dass die Technik neue Bereiche kreiert, an die sich der Mensch nur zu gern anpasst.

 

Das Neo der allgemeinen Zufriedenheit, folgend dem unerschütterlichen Gedankengut, der sonst so absonderlichen Gemütsverfassungen, folge ich dem Vorangehen.

Was bleibt? Die nichts zu gehenden sonst. Herbert kam nie wieder. Warum? 

 

 

 

Tritt ein. Tritt rein.

Du solltest nicht der Erste sein

Was dir geschieht, nicht sollen sein.

Drum tritt herein.

Die Wege unbegehbar scheinen.

So mir nichts, dir nichts.

Doch habe ich nur dich zum Weinen.

So steht es.

Du gehst.

Ich bleibe.

Dehnen wir die Zeit.

Was weiter geht kann niemand wissen.

Vermeiden, statt vermissen.

Nun sind wir fort.

Nur noch.

Ein übler Geruch.

Durch und zieht, mich weg.

Muss fort.

Die Sonne warm auf meinen Beinen.

So soll es sein.

Nichts verneinbar.

Klar und wunderbar.

So stehst du dort.

Bist fort.

 

 

Welches Weltbild ergibt sich aus dieser Art der Wahrnehmung? Ein eigentlich recht kurioses Weltbild. Die Idee der Bildübertragung ist dafür das beste Beispiel. Wir ordnen diejenigen Resultate der Leistung unseres Nervensystems der Außenwelt zu, die durch die Sinneszellen ausgelöst werden. Dadurch versehen wir die Welt mit Farbe, Geruch, Geschmack, Geräusch und sie fühlt sich auf eine bestimmte Art und Weise an. Das hat vollkommen Sinn, dadurch kommen wir in der Welt zurecht. Natürlich sind diese Wahrnehmungen erst durch das Erlernen der Umgebung entstanden, wie oben beschrieben. Was nicht gesehen wird, ist der Entstehungsprozess. Das heißt, wir trennen die Prozessergebnisse vom Prozess ab und geben den Prozessergebnissen eine unabhängige Existenz bzw. Identität. Die Ergebnisse sollen überhaupt nichts zu tun haben mit unserem Nervensystem. Sie sind einfach da. Und das wirklich absolut merkwürdigste daran ist, dass unser Nervensystem nun auch noch dazu dienen soll, die eigenen Resultate passiv zu registrieren, als Empfänger von Informationen, die diese aussenden. Und diese Weltsicht ist auch in unserer Sprache wiederzufinden. Ich betrachte die Welt. Vollkommen passiv. Folgerichtig glauben wir, dass wir uns einer, von unserem Wahrnehmungsprozess unabhängigen Welt befinden. Das ist auch vollkommen richtig, da sie real existiert. Nur eben Farbe, Geruch, Geschmack, Geräusch und taktile Wahrnehmung kommen von uns selbst. In unserem Weltbild kommt unser eigener Wahrnehmungsprozess nicht vor. Wir sind damit in einer dinghaften Welt, die physikalischen Gesetzmäßigkeiten gehorcht und logisch-mathematisch beschreibbar ist.

Ich betrachte die Welt. Was verstehen wir unter dem Begriff der Welt?  All das, was ist. Wir sehen die Welt als eine Einheit, eine Einheit von allem, was ist. Wir verlassen uns hier auf unsere Wahrnehmung, denn wir können nur wahrnehmen, was ist. Materie, zusammengesetzt aus kleinsten Teilchen. Ein großer Mechanismus. Ein logisches Kontinuum.

Das bedeutet, dass wir, nur aufgrund unserer Wahrnehmung, aufgrund dessen, was uns das Nervensystem ermöglicht, wie selbstverständlich annehmen, dass die Welt eine riesige materielle Einheit bildet. Man muss nur noch die innerhalb der materiellen Einheit geltenden Gesetze finden und mathematisch beschreiben.

Nur, was hat diese kleinsten Materieteilchen dazu gebracht, so unglaublich komplizierte, und dabei extrem wirkungsvolle und effiziente Teilchenkombinationen, wie wir selbst es sind, zu erzeugen?

Es ist daher denkbar, dass die auf unserer Wahrnehmung basierende Vorstellung von einer Welt als materielle Einheit, als logisches Kontinuum, eine Annahme bzw. ein Modell ist, das der Wirklichkeit nicht in jeder Hinsicht gerecht werden kann.

 

 

 

Ich bin meine eigene Maschine.

Sieh, wie sie sich bewegen. Wie von selbst. Mit einzigartiger Präzision.

Mahlend mahlt die Maschine. Maschinierend geht es voran.

Gefräßig es scheint. Doch kein Leben.

Warum bist du so gefräßig, meine liebe kleine Maschine?

Wieso dieses angestrengte Maschinieren? Sprich zu deinem Meister. Zu deinem Schöpfer.

Deine Zuckungen. Hilflos und ohne Sinn.

Ich nehm dich auseinander und setz dich wieder zusammen. Vielleicht.

Ich hasse dich. Doch bin ich dir egal.

 

Was nützt es, sich neuen Eindrücken auszusetzen, wenn man dabei derselbe bleibt?

Wer jahrelang die Welt bereist, ohne sich zu verändern, dem werden die Jahre am Ende wie Minuten erscheinen.

Körperlich gealtert, geistig unverändert, jung geblieben, zurück geblieben.

Eindrücke, über Jahrzehnte  mühevoll zusammengetragen .Am Ende der nur Sekunden.

Den Mechanismus mit Informationen gefüttert. Ein Mechanismus, der immer gleich auf immer neue Eindrücke reagiert. Leblos.

Die tote Maschine. Bloße Funktion. Zeitlos. Läuft sie schnell. Läuft sie langsam. Vorwärts, rückwärts, überhaupt nicht. Kein Unterschied. Langweilg, immer gleich, kein Unterschied.

 

Ich gehe den Pfad. Den ausgetretenen Pfad. Wie kam der Pfad zustande? War immer schon da.

Es gibt nur Pfad. Nichts anderes. Überall wo ich langgehe ist Pfad. Also gibt es nur Pfad.

Ich gehe rückwärts durch ein Feld. Ich gehe rückwärts durch die Welt.

Blödes Ich. Vorwärts Ich und Rückwärts Ich. Mist.

Bequem die ausgetretenen Pfade. Sicherheit. Gewissheit. Wahrheit.

Schwer zu verlassen, die ausgetretenen Pfade. Wenn es nur den Pfad noch gibt, dann ist alles Pfad, dann ist nichts Pfad. Dann gibt es keine Optionen mehr, keine Möglichkeit des Abweichens. Da gibt es nur noch die Wahrheit, das Sein, das Ja. Und dieses ist mit mir identisch. Ich bin die Wahrheit das Sein, das Ja, die schlichte, alles umfassende Existenz. Und ihr Gegenteil, die Nicht-Existenz.

Wie kam es zur Existenz? Sie war schon immer. Möglicherweise aus einer Singularität entstanden? Wahrheit und Mythos.

 

Vorsicht Wahrheit!

Das Sein ist die Wahrheit. Wahrheit und Sein sind identisch. Oder ist Gott die Wahrheit?

Welche Position trifft zu? Beide? Keine? Gibt es eine Alternative? Muss es eine absolute Wahrheit geben? Kann es überhaupt eine absolute Wahrheit geben?

Das Absolute im Kontrast zum Individuum.

Das Individuum macht das Absolute unmöglich. Und damit auch die absolute Wahrheit, das Sein und Gott. Wahrheit macht erst mit dem Individuum Sinn, wenn sie nicht mehr absolut sein muss.

Klingt erst einmal, will nicht sagen vernünftig, auch nicht plausibel. Es klingt überzeugend. Warum? Weil nur schwer etwas dagegen einzuwenden ist. Natürlich ist das kompletter Blödsinn. Wahrheit ist Sein. Wahrheit wovon denn? Von sich selbst? Ich bin die Wahrheit! Klingt schon irgendwie merkwürdig. Doch warum ist es so überzeugend? Warum ist so schwer etwas dagegen einzuwenden? Weil diese Aussage jedem Einzelnen so unglaublich recht gibt. Und jeder Einzelne nicht so fehlbar wäre, dann gäbe es auch gar keine Unstimmigkeiten. Und um das Ganze auch wirklich unfehlbar zu machen, muss auch noch der letzte Zweifel beseitigt werden. Dann wird die Wahrheit zur Absoluten Wahrheit, das Sein zum absoluten Sein. Und wird nur erreicht, wenn das Sein das absolut erste und einzig Existierende ist. Es darf immer nur das Sein gegeben haben. Und wenn es schon entstanden sein muss, dann aus einer Singularität. Und wer das Sein verstanden hat, es beherrscht, der ist im Besitz der absoluten Wahrheit und damit allen anderen überlegen.

Je mehr man der Natur auf den Grund geht, desto näher kommt man an die Wahrheit. Und man ist schon so nah dran an der Wahrheit, eigentlich kann man schon sagen, man sei im Besitz der Wahrheit. Jedenfalls fühlt es sich so an. 

 

Pure Rock’n‘Roll

Kein Pathos.

Kein Interesse.

Kein Mitgefühl.

Kein Mitleid.

Soll die Welt den Bach runtergehen.

Rock’n’Roll zeigt nicht den Mittelfinger.

Rock’n’Roll ist der Mittelfinger.

Und nicht einmal das.

I don’t give a shit. 

 

Zweifellos kennen wir uns selbst am besten. Was treibt uns an? Es gibt das Streben nach Erkenntnis, nach Geld, Macht, Glück, Zufriedenheit. Es kann um die Befriedigung ganz elementarer Bedürfnisse gehen, oder um das nackte Überleben. Es geht um die Ausdehnung des Wirkungsbereiches. Das kann territorial sein, das kann durch eine bessere Physis sein, durch bessere Fähigkeiten anzugreifen oder sich zu verteidigen, durch verbessertes Verstehen der Welt, Erfahrungen machen, Kinder in die Welt setzen, durch Übernahme oder Zerstörung von Konkurrenten, Bildung sozialer Gemeinschaften, verbesserte Sinnesorgane, ein verbessertes Nervensystem, Gedächtnis, Sprache, Kultur. Es geht um die Erweiterung und Sicherung der Existenz, der eigenen Existenz als Individuum oder die seiner sozialen Gruppe, sogar um die Existenz der anderen, wenn es hilfreich scheint. Was ist das auffälligste Merkmal der Lebewesen? Ihre Tendenz, sich überallhin auszubreiten, die Ausweitung ihrer Existenz. Denkt man an die Prokaryoten, dann ist die Erde von Lebewesen  mehr oder weniger vollständig besiedelt. Und außerhalb der Erde geht es nicht besonders gut voran.

Das Ganze hat etwas von einem Spiel. Und die Spieler haben nur eine grundlegende Eigenschaft. Sie können ihr Verhalten mit anderen Spielern koordinieren. Dadurch entstehen Funktionen auf einer höheren Komplexitätsstufe. Aber warum sollten die Spieler das tun? Sie könnten doch auch mit ihrer Existenz zufrieden sein? Das Problem ist, dass man Kontakt mit den anderen Spielern hat. Und wenn die einem nun auf den Leib rücken? Könnte eng werden. Alles nur wegen Platzmangel? Ist das der Ursprung des ganzen?

Wenn die Möglichkeiten der territorialen Erweiterung erschöpft sind, dass muss man eben andere Wege finden. Erweiterung der individuellen Fähigkeiten. Das ist nachvollziehbar. Die Zunahme der Fähigkeiten der einzelnen Individuen einer Gemeinschaft führt zu mehr Möglichkeiten in der Kommunikation der Individuen, was die soziale Gemeinschaft auf ein deutlich höheres Niveau hebt, was wiederum eine Vergrößerung des Wirkungsbereiches ist. Gleichzeitig bewirkt das Anheben des Niveaus der sozialen Gemeinschaft ein Anheben des Niveaus der Individuen. Das bedingt sich gegenseitig. Die Entstehung der Zivilisationen ist daher nicht überraschend. In einer dichtgedrängten Ansammlung von Individuen muss das einzelne Individuum irgendwie zurechtkommen. Allen ist es zu eng. Man wird seine Handlungen mit denen der Nachbarn koordinieren, um sich ein wenig Luft zu verschaffen. Man ist zur Handlung gezwungen. Um ein grundlegendes Prinzip zu beschreiben, ist es vielleicht besser, sich von Begriffen zu lösen, die mit menschlichen Verhaltensweisen und Vorstellungen zu tun haben. Sprechen wir daher lieber von der Indeterminiertheit des Kommunikationszusammenhanges als grundlegendem Prinzip der Existenz. Diese Indeterminiertheit mit ihren Möglichkeiten ist es, die Phänomene entstehen lassen kann, die wir als Leben, Bewusstsein, Geist, Seele, freien Willen beschreiben. Und der Mensch ist die einzige Lebensform auf der Erde, die mittels Sprache die Möglichkeiten der Kommunikationszusammenhänge ins quasi Unendliche getrieben hat.

 

Prokrastination. Musste ich erstmal nachschlagen. Und ganz schön schlucken. Gehöre wohl zu den Leuten, die immer gleich denken, dass sie genau die Störung haben, über die sie gerade lesen. Egal. Sich erst dann bewegen, wenn es gar nicht mehr anders geht. Warum auch, wenn man das ganze als sinnlos empfindet? Kann nicht verstehen, warum manche Leute ganz profanen Dingen so ein Bedeutung beimessen. Aber was soll's, tue interessiert und spiele mit. Den ganzen Tag Drogen nehmen ist auch unbefriedigend. Dafür ist eine geregelte Arbeit ganz gut. Man hat keine Zeit für irgendwelchen Blödsinn. Bin mir sicher, anderen geht das ganz genauso. Fazit: es funktioniert.

 

Der eigene Garten ist der Ort, der einem ein ungewöhlich hohes Mass an Freiheit bietet. Und was tun die meisten? Ordnung. Um dieses hohe Mass an Ordnung aufrecht zu erhalten, muss eine sehr hoher Aufwand betrieben werden. Kleinste Abweichungen müssen korrigiert werden. Yes, Sir.

 

Radikale Kunst als Verkörperung des schöpferischen Prinzips. Ablehnung der Reproduktion.

 

Erziehung, oder auch Umerziehung, funktioniert nur bedingt. Das hatten die französischen Revolutionäre mit sicherem Instinkt erkannt. Also: Kopf ab.

 

Music is a very elegant way to show the world the middle finger.

Musik macht es möglich, auszudrücken, was man von seinen Mitmenschen hält, ohne ihnen direkt auf die Schuhe kotzen zu müssen.

 

Der graue Himmel der Abstraktion (Nietzsche, Der Fall Wagner). Poetisch. Man könnte auch sagen: eiskalt, leblos.

Die absolut reine Zahl. Pur. Ohne jede Spur von Leben. Ohne jegliche Verunreinigung. In der Zeit eingefroren. Das Leben entwichen. In Bewegung versetzt nur von außen. Ein Kristall am absoluten Nullpunkt.

 

Was ist links? Seine Kinder durch die gepflegten Vorgärten der Nachbarn trampeln zu lassen. Was ist rechts? Sich darüber zu ärgern. Beides scheiße.

 

Ich bin nur geduldet. Der kuriose Außenseiter. Der Hofnarr. Genau, ich mache einfach ein paar Witze, bringe die anderen zum lachen, da fühl ich mich doch gleich viel besser. Habe keinen Boden unter den Füßen. Keine Sicherheit des Dazuzugehören. Wer weiß, wie lange ich noch geduldet bin? Kann sich jederzeit ändern. Muss schlau sein. Die wissen, dass ihre Welt ohne mich ärmer wäre. Die brauchen mich. Teste Grenzen aus. Darf Witze reißen, schöne Dinge erschaffen. Alles das, was die nicht können. Nur müssen sie jederzeit das Gefühl der Überlegenheit haben. Doch reicht das nicht. Es reicht ihnen nicht zu wissen, dass sie meiner Existenz jederzeit ein Ende setzen können. Sie wollen, dass ich sie respektiere, aufrichtig und aus tiefstem Herzen. Oder aus Angst. Sie halten mich für schwach, weil sie sich selbst für stark halten. Ich verachte sie. Alle. Sie brauchen mich. Nicht ich brauche sie. Oder doch?