Was das ganze mit dem Geruch von Bohnerwachs zu tun hat? Dafür muss ich etwas weiter ausholen. Das Holen des Aus steht dabei nur in einem indirekten Zusammenhang mit dem Wachs des Bohnerns. Gleich neben dem Bohnerhol. Denn nur darum geht es. Um die Eigenschaften des Bohnerhol.

 

Das lässt sich nicht in Worte fassen!

 

Ich glaube auch, dass ein wortendes Fassungsvermögen der Existenz des Bohnerhol nicht gewachsen ist. Nicht gewachsen sein kann. Das liegt in der Natur des Wachstums. Denn wie kann etwas einem Unbekannten gewachsen sein? Die Natur des Wachstums ist, dass es sich das Unbekannte zum Vertrauten macht. Etwas, das bis zuletzt unbekannt geblieben ist, war zu keiner Zeit dem Wachstum verfügbar. Also wie sollen Worte der Existenz dem Bohnerhol gewachsen sein können, wenn sie es nie erfahren durften?

 

Gut. Aber jetzt kennen sie es ja.

 

Kennen? Wieso kennen?

 

Gut. Mit etwas Zeit wird es erkannt werden.

 

Vielleicht. Nur besitzt das momentan existente Wortgeflecht noch die Flexibiltät, dem Bohnerhol angemessen zu begegnen? Den Eindruck habe ich nicht. Ich kann dir sagen, was passieren wird. Es wird nach dem gewohnten Muster verfahren werden. Man wird versuchen das Bohnerhol zu analysieren, um zu sehen, ob sich durch ein Zerlegen irgendetwas Bekanntes finden lässt.

 

 

 

 

Aufmachen! Was soll ich denn aufmachen? Wie wäre es mit einer neuen Dimension? Dimension? Schon wieder? Da habe ich schon viel zu viele aufgemacht. Das wird langsam etwas unübersichtlich. Und Sinn macht es auch keinen. Wozu muss man alle Erzeugungen mit irgendwelchen Indizes versehen? Die Vergangenheit ist vergangen. Das Jetzt ist der augenblickliche Spielstand, von wo aus die Spieler weitermachen. Es lässt sich nicht einmal mehr rekonstruieren, wie es vom letzten Spielstand zum jetzigen gekommen ist. Warum also sollte sich noch irgendjemand für vergangene Spielstände interessieren. Aber nein, alles wird aufgezeichnet, Schritt für Schritt, in der Hoffnung, dass man daraus ablesen könnte, wie es denn wohl weitergeht. Frag doch die Spieler! Die machen es sich einfach. Stecken die Köpfe zusammen, um neue Möglichkeiten zu finden und Schwupps, wieder ein paar neue Dimensionen.

 

Die Aufgabe der Verfestigung des Nebels zum Zwecke der Erschaffung einer einigermaßen stabilen Grundlage, auf welcher man sich keine unnötigen Sorgen machen muss, dass das Ganze eines Tages in sich zusammenfällt.

 

Wir tun genau das Gegenteil. Daher ist Aufklärung nicht besonders beliebt, wenn Aufklärung letztendlich nur Verunsicherung bedeutet.

 

Wir behaupten das Gegenteil. Erst die vollkommene Aufklärung ermöglicht wirkliche Freiheit. Nur, wer will die schon?

 

Zusammenspiel von Todesgewissheit und starker Mobilität

 

Eine Sprachnachricht. Gottseidank! Ich hatte befürchtet, dass die Nachricht unsprachlicher Natur wäre. Oder in einer dieser Natursprachen. So wie die Natur eben spricht. Nicht zu uns. Warum sollte sie das? Sprechen wir vielleicht zur Natur? Das macht es ein wenig kompliziert, was die natürlichen Sprachen betrifft. Und wie ist es mit den unnatürlichen Sprachen? Vermutlich haben die eher so etwas Gekünsteltes? Ich weiß gar nicht, was mir lieber wäre. Natürliche Unsprachen oder unnatürliche Sprachen? Oft hört man ja auch so eine Art Ausruf, wie beispielsweise: Natürlich! Das ist es! Was daran wirklich natürlich sein soll, ist die Frage. Doch stattdessen auszurufen: Unnatürlich! Das ist es! klingt auch irgendwie komisch. Was ist denn nun mit dieser Sprachnachricht? Ist sie natürlicher oder in unnatürlicher Sprache verfasst? Egal. Mit der Natur kenne ich mich sowieso nicht so gut aus. Die ist einfach viel zu vielfältig. Geradezu übertrieben vielfältig. Vermutlich versteht die sich selbst nicht. Da muss es ja eine gigantische Anzahl an natürlichen Sprachen geben! Keiner kann verlangen, dass man sich wirklich damit beschäftigt. Dann hätte man für nichts anderes mehr Zeit, wie beispielsweise dem Anhören von Sprachnachrichten. Immens wichtigen Sprachnachrichten. Bedeutende Botschaften, die geeignet wären, ein ganzes Leben zu beeinflussen. Ich muss zugeben, dass ich jetzt sogar ein wenig darauf hoffe, dass die Nachricht in einer dieser Natursprachen verfasst ist. Das wäre auch viel spannender. 

 

Die letzte Ausfahrt. Verpasst. Und jetzt? Umdrehen? Er war nicht der Typ, der umdreht. Was hinter ihm lag spielte alles keine Rolle mehr. Mit jedem Meter wurde auch die Vergangenheit ein Stück länger. Und was da hinter ihm auf dem Rücksitz lag, war eigentlich auch Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die sich nicht so leicht abschütteln ließ. Die Gelegenheit würde sich schon noch ergeben. Es gab immer Gelegenheiten. So war es immer gewesen, und so wird es vermutlich auch immer sein. Wenn er an etwas glaubte, dann daran. Ohne diesen Glauben könnte er auch gleich gegen den nächsten Brückenpfeiler fahren. Wenigstens das Problem auf dem Rücksitz hätte sich damit erledigt. Wie entsorgt man ein altes Stück Fleisch? Die Frage war doch vielmehr, was er wollte. Im Moment wollte er einfach nur durch die Nacht fahren. Was wenn die Nacht nie enden würde? Dann würde er immer so weiterfahren. Als wäre die Zeit stehengeblieben. Der letzte Mensch auf Erden. Unaufhörlich unterwegs auf endlosen Straßen in der ewigen Dunkelheit. Das wäre nicht das Schlechteste.

 

(Aus: P.H.‘s „Spiritwalker“, Klangwelt Magazin, 1981)

 

Spiritwalker, Klangwelt, Nacht, Ewigkeit

 

Gelegenheiten

 

Gelassenheit und ein Gespür für Gelegenheiten während einer Reise durch die Nacht.

 

 

Es sind nicht nur die reichhaltigen Kommunikationsstrukturen, je nach Anzahl der Kommunikationsteilnehmer, es ist vielmehr die Abfolge der einzelnen Strukturen, die entweder durch Wiederholung vertieft, also eingeübt wird, oder die im Moment eher ein Ausprobieren ist.

 

Wobei unterschiedliche Abfolgen, und sei der Unterschied auch nur minimal, zur sehr unterschiedlichen Resultaten führen können.

 

Allein zwei Menschen, die sich jeden Morgen auf der Arbeit begrüßen, definitiv ein Ritual,was es da bedeutet, wenn an einem Tag der Ausdruck nur etwas anders ist, dann bekommt die ganze Sache ein völlig andere Bedeutung und es wird, weil es nicht anders geht, im Anschluß ein anderer Weg eingschlagen, der nicht dem ausgetretenen Pfad entspricht, der infolge des üblichen Rituals normalerweise beschritten wird.

 

 

 

So, damit wären wir bei der ersten Zeile. Damit fängst es an. Und dann arbeitet man sich vorwärts. Wobei es nicht wirklich Arbeit ist. Es ist ganz einfach eine Art des Daseins. Vielleicht nicht die schlechteste. Auf jeden Fall ist es Dasein. Was sollte es auch sonst sein? Nun ist es wohl so, da bin ich mir recht sicher, dass jetzt bei einigen aus der Dunkelheit des Unbewussten der Gedanke der Nützlichkeit aufsteigt. Ist es denn nützlich? Was soll das sein? Was macht man damit? Diese Art von Fragen hat ganz bestimmte Voraussetzungen. Die Antwort ist bereits vorgegeben und soll nur der Bestätigung der bestimmten Voraussetzungen dienen. Diese Art der Fragestellung ist etwas langweilig, möglicherweise genauso langweilig wie derjenige, der die Frage stellt, es sei denn, da treibt jemand seinen Spaß und macht sich vielleicht sogar ein wenig lustig über die Art der Fragestellung und damit auch über die Leute, die gern diese Art von Fragen stellen. Doch stellen diese Leute wirklich gern diese Art von Fragen? Ist es nicht vielmehr ein Zwang? Ein gar nicht anders Können? Fragestellung, Persönlichkeit und Wahrheit gehen hier Hand in Hand, und jede Abwertung der Fragestellung kommt einer Abwertung der Person gleich. Es erstaunt daher auch nicht, dass eine derart plumpe Fragestellung, zumindest aus unserer Sicht, aus der Sicht des Fragesteller sieht das vermutlich ganz anders aus, dass also eine so, ja sagen wir es doch einfach, so eine dumme Frage, einhergeht mit einer unglaublich stark ausgeprägten Empfindlichkeit. Das verstehen wir nun, jedoch ohne Verständnis aufbringen zu müssen. Es sind und bleiben blöde Fragen. Soviel dazu. Viel zu viel. Deshalb zurück zum Eigentlichen, noch ohne zu wissen, was dieses Eigentliche sein soll. Ja, was ist es, das Eigentliche? Wieder eine dieser Fragen, die wir längst hinter uns gelassen glaubten. Egal. Eins ist sicher. Wir haben mittlerweile einen recht guten Abstand zwischen uns und die erste Zeile gebracht. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht. Da bin ich schon etwas erstaunt, wie schnell sowas doch geht. Und dabei ist noch gar nicht so viel gesagt worden. Ich denke, das Thema Nützlichkeit hat sich jedenfalls erledigt. Und auch die Eigentlichkeit. Beides spielt keine Rolle. Nur was passiert dann hier die ganze Zeit? Dass etwas passiert ist, ist nun wirklich unstrittig. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, wie es angefangen hat? Die berühmten Ursachen? Oder auch Gründe? Wieso ist genau das passiert und nicht das andere? Welches andere? Keine Ahnung. War es vielleicht doch eine Art von Nützlichkeit, die uns bewogen hat, die erste Zeile zu schreiben? Vermutlich muss man den Begriff der Nützlichkeit etwas weiter fassen. Am Besten soweit, dass am Ende jede Handlung eine nützliche Handlung ist. Und das ist sogar plausibel, denn warum in aller Welt, sollte man eine Handlung denn sonst vollziehen? Es passiert einfach, und wenn es passiert ist, dann ist es passiert, mit allem was dazugehört. Recht, Wahrheit, Ursachen und Gründe. Und was die anderen dazu sagen? Vieles. Das ist hier völlig uninteressant, denn die Wahrheit ist, dass die erste Zeile geschrieben wurde. Das kann niemand ernsthaft abstreiten wollen. Und wer es doch tun möchte, der soll es eben tun. Denn der ersten Zeile ist es doch völlig egal, was über sie gesagt wurde und jemals gesagt werden wird. Mein Gott! Jetzt sind wir schon so weit, dass ich die erste Zeile nicht einmal mehr sehen kann! Ich müsste schon die Bildlaufleiste bewegen, um absolut sicher zu sein, dass sie wirklich da ist. Denn, wie jeder weiß, ist die Frage, ob die Zeile immer noch da ist, obwohl man sie nicht sehen kann. In diesem Fall bin ich mir recht sicher, dass sie irgendwo in anderer Form noch vorhanden ist, nur um bei Bedarf auf dem Bildschirm als solche zu erscheinen. Doch solange sie das nicht tut, ist sie nicht sichtbar, aber vielleicht doch da. Gut, beim klassischen Buch ist das etwas anders. Auch wenn das Buch nicht aufgeschlagen ist, bleiben die Zeichen auf dem Papier. Was ja schon eine große Verschwendung ist. Man hat beispielsweise ein Buch von, sagen wir mal, zweitausend Seiten, und obwohl immer nur zwei Seiten sichtbar sind, sind alle anderen Seiten auch in einer Form vorhanden, die eigentlich nur notwendig wäre in dem Moment, wo es einen Wunsch zur Sichtbarmachung gibt. Irgendwie schon Wahnsinn! Gut, Schnee von gestern. Heute wissen wir, dass es auch besser geht. Bei welcher Zeile sind wir eigentlich? Denn ich glaube, ich brauche mal eine kleine Pause. Ich weiß nicht, wie es euch geht, doch hat mich der Gedanke an ein zweitausend Seiten dickes Buch extrem erschöpft. Ich glaube, ich schließe hier einfach das erste Kapitel ab, es trägt überraschenderweise den Titel 'Die erste Zeile', und mach später weiter. Nämlich dann, wenn aus den Tiefen des Unterbewusstseins eine neue Nützlichkeit emporsteigt, eine Nützlichkeit im weitesten Sinne, und genau dann wird es weitergehen. Es sei denn, dass das niemals passieren wird und dass es immer Nützlichkeiten von möglicherweise ganz anderer Art geben wird, die einfach stärker sind als die Nützlichkeit, die notwendig wäre, um ein zweites Kapitel zu beginnen. Lassen wir uns einfach überraschen. Damit schließe ich dieses erste Kapitel endgültig, ein erstes Kapitel, das so verheißungsvoll  begann, nämlich mit einer ersten Zeile.

 

 

Denken und Sprache geeignet für Regeln --> Totalitarismus statt Barbarei

 

In der Einleitung in einem Erläuterungsbuch* über Levinas spricht der Autor folgendes an:

Seite 9

Die Europäische Philosophie, die sich als universale Hüterin des Seins und des Guten verstand, hat (...) in der Shoa kaum einen Anlass gesehen, sich zu fragen, ob sie mit ihrer Art zu denken und zu unterscheiden nicht von langer Hand dazu beigetragen hat, was geschehen war, ob ihre Begriffe von Sein und Nichtsein, Wahr und Falsch, Gut und Böse, Eigenem und Anderem nicht daran  mitschuldig waren.

In der europäischen und griechischen Philosophie wurde/wird das Ethische festgelegt und gewährleistet nur aufgrund eines Gemeinsamen, eines einheitlichen Seins, oder einer einheitlichen Vernunft. Durch theoretische Normen, Werte und Gesetze wird das Ethische festgelegt. So kann es wechselseitig eingeklagt werden. Es entstanden und entstehen Moralgemeinschaften, in denen man dann den anderen im Namen eines Dritten, des Allgemeinen zu Rechenschaft ziehen, ohne selbst dafür einstehen zu müssen.

Seite 11

Im Namen des Theoretisch-Ethischen kann man sich zum Richter andere machen. Man kann von " höheren" allgemeinen Maßstäben aus entscheiden, was an anderen gut oder böse ist. Man kann in einem "Wir" aufgehen, in dem alle eine Moral teilen, die jedem das Recht und die Macht verleiht, über die Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu dieser Moralgmeinschaft, über Ein- oder Ausschluss zu entscheiden, und muss sich dabei nicht fragen lassen, ob diese seinerseits gut oder böse ist. Moralgemeinschaften bergen, weil sie in "gutem Glauben" andere ein- und ausschliessen, die Gefahr des Totalitarismus in sich. Europa ist im 20. Jahrhundert in großen Teilen totalitär geworden.

Ist da was dran?

*
Werner Stegmaier, Emmanuel Levinas zur Einführung, junius Taschenbuch, 2009, Seite 9 und Seite 11.

Der Affe kommt.

Das Zebra geht.

Wenn du bleibst,

und unterschreibst,

wird er kommen,

leicht verschwommen,

ohne Brille,

letzter Wille.

Voller Macht.

Gute Nacht.

Bin auf der Jagd. Auf der Jagd nach dem letzten Gedanken. Leider ist der mir irgendwie abhanden gekommen. Doch ich weiß noch so ungefähr wie er aussieht. Er ist nicht allzu groß, hat eine leicht grünliche Färbung und spricht akzentfrei. Hast du ihn vielleicht gesehen? Nein, wie sollte das gehen. Damit das funktionieren könnte, müssten wir ein gemeinsames Nervensystem haben. Du wärst zum Beispiel die linke Gehirnhälfte und ich die rechte. Oder umgekehrt. Ich will die da keine Vorschriften machen. Du hast die Wahl. Ich werde mich nicht beschweren. Also gut. Aber das ist ja nun einmal nicht der Fall und daher kannst du meine Gedanken natürlich nicht sehen. Ist dir das auch schon einmal passiert? Ich meine, dass du auf der Suche nach einem verlorenen Gedanken warst? Mir passiert das recht häufig. Ich weiß dann immer noch, dass ich einen bestimmten Gedanken hatte, nur ist er in seiner Konkretheit nicht mehr so richtig greifbar, so versuche ich, ihn nochmal hervorzurufen, was meistens auch funktioniert, nämlich indem ich die Gedankenkette einfach rückwärts gehe, bis er erscheint. Er kann sich nicht vor mir verstecken und doch versucht er es. Warum nur? Weshalb versteckt sich mein eigener Gedanke vor mir? Ich habe ihn schließlich geboren, selbst hervorgebracht, eine wenig mehr Dankbarkeit hätte ich schon erwartet. Andererseits liegt es vielleicht einfach in seiner Natur. Auftauchen und Verschwinden. Aus dem Nichts, in das Nichts. Faszinierend! Und dazwischen? Jedenfalls nicht Nichts. Oder? Keinesfalls. Sonst könnte ich ihn ja nicht beschreiben. Das Beschreiben ist auch gar nicht so schwer. Was schwierig ist, ist der Ort. Sein Aufenthaltsort. Hat er überhaupt einen? Irgendwo muss er ja entstanden sein. Ich bin mir aber schon recht sicher, dass er sich irgendwo in meinem Kopf befindet. Nur an welcher Stelle? Das weiß ich nicht. Mehr links, oder mehr rechts, oben, unten, in der Mitte? Wieviel Platz braucht so ein Gedanke überhaupt? Ich hatte ja anfänglich gesagt, dass er nicht allzu groß sei. Jedenfalls wird er ja kaum größer als mein Kopf sein. 

Der Nebenmann von nebenan oder Das Verschwinden der Zirkularität

 

Der Nebel hatte sich gelichtet. "Manchmal steht man neben sich." Der Namenlose drehte sich Kreis und nahm doch den üblichen Weg durch die Stadt.

 

Der Tunnel hatte einen Durchmesser von ca. 12 Metern. Die Wände beleuchtet. Nass und kalt. Man war versucht, die Schuhe nicht zu hart aufzusetzen, um das Nachhallen zu minimieren. Ende und Anfang waren nicht zu sehen. War er der Namenlose?

 

Entweder? Oder!

Für manche Menschen mag das so sein.

Unter Umständen kann es jedoch zu Konflikten kommen.

Christentum hin oder her.

Kommt immer darauf an, wie das soziale Umfeld aussah.

In der Erkenntnis, dass das Beobachtete keine Existenz hat,

die vom Beobachter getrennt wäre

In der Erkenntnis, dass der Beobachter keine Existenz hat,

die vom Beobachteten getrennt wäre

Wird der gespaltene Geist wieder vereint.

 

(Wei Wu Wei (Metaphysiker,Taoist 1895-1986) Das offenbare Geheimnis)

Achtundachtzigster Brief

 

Usbek an Rhedi in Venedig

 

In Paris herrschen Freiheit und Gleichheit. Die Herkunft, die Tugend, selbst die im Kriege erworbenen Verdienste, so glänzend sie auch sein mögen, heben niemand aus der Menge heraus, in der er untergeht. Man sagt, in Paris sei derjenige der erste, der die besten Pferde vor seinem Wagen hat.

Ein hoher adliger Herr ist ein Mann, der den König sieht, der mit den Ministern spricht, der Ahnen, Schulden und Pensionen besitzt. Wenn er dann noch sein Nichtstun hinter einem geschäftigen Aussehen oder einem vorgetäuschten Hang für Vergnügungen zu verbergen versteht, dann hält er sich für den glücklichsten Menschen.

In Persien sind nur diejenigen hohe Herren, denen der Monarch irgendeinen Anteil an der Regierung gibt. Hier finden sich Leute, die groß sind durch ihre Geburt, aber kein Ansehen haben. Die Könige handeln wie die geschickten Arbeiter, die sich bei der Ausführung ihrer Werke immer der einfachen Maschinen bedienen.

Die große Gottheit der Franzosen ist der Gunstbeweis. Ihr Hohepriester ist der Minister, der ihr sehr viele Opfer darbringt. Die ihn umgeben, sind nicht weiß gekleidet, denn sie sind einmal Opfernde und einmal Geopferte und bringen sich selbst mit dem ganzen Volk ihrem Götzenbild zum Opfer dar.

 

Paris, am 9. des Monats Dschumada II, 1715

 

(Aus: Montesquieu, „Persische Briefe“, Reclam, 2004, S.166/167)