Die letzte Ausfahrt. Verpasst. Und jetzt? Umdrehen? Er war nicht der Typ, der umdreht. Was hinter ihm lag spielte alles keine Rolle mehr. Und mit jedem Meter wurde auch die Vergangenheit ein Stück länger. Und die da auf dem Rücksitz lag, war eigentlich auch Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die sich nicht so leicht abschütteln ließ. Die Gelegenheit würde sich schon noch ergeben. Es gab immer Gelegenheiten. So war es immer gewesen, und so wird es vermutlich auch immer sein. Wenn er an etwas glaubte, dann daran. Ohne diesen Glauben könnte auch gleich gegen den nächsten Brückenpfeiler fahren. Wenigstens das Problem auf dem Rücksitz hätte sich damit erledigt. Wie entsorgt man ein altes Stück Fleisch? Die Frage war doch vielmehr, was er wollte. Im Moment wollte er einfach nur durch die Nacht fahren. Was wenn die Nacht nie enden würde? Dann würde er immer so weiterfahren. Als wäre die Zeit stehengeblieben. Der letzte Mensch auf Erden. Unaufhörlich unterwegs auf endlosen Straßen in der ewigen Dunkelheit. Das wäre nicht das Schlechteste.

 

Es sind nicht nur die reichhaltigen Kommunikationsstrukturen, je nach Anzahl der Kommunikationsteilnehmer, es ist vielmehr die Abfolge der einzelnen Strukturen, die entweder durch Wiederholung vertieft, also eingeübt wird, oder die im Moment eher ein Ausprobieren ist.

 

Wobei unterschiedliche Abfolgen, und sei der Unterschied auch nur minimal, zur sehr unterschiedlichen Resultaten führen können.

 

Allein zwei Menschen, die sich jeden Morgen auf der Arbeit begrüßen, definitiv ein Ritual,was es da bedeutet, wenn an einem Tag der Ausdruck nur etwas anders ist, dann bekommt die ganze Sache ein völlig andere Bedeutung und es wird, weil es nicht anders geht, im Anschluß ein anderer Weg eingschlagen, der nicht dem ausgetretenen Pfad entspricht, der infolge des üblichen Rituals normalerweise beschritten wird.

 

 

 

Du, was ist los?

 

Muss erstmal Luft holen.

 

Alles klar. Dann mach das mal. Bis später.

 

Ok, geht schon wieder.

 

Das ging schnell. Ich habe nicht mal bemerkt, dass du überhaupt weg gewesen bist.

 

Ja, das macht mir so schnell keiner nach.

 

Machst du das öfter?

 

Was meinst du? Luft holen?

 

Nein, dich mich einer derartigen Geschwindigkeit zu bewegen, dass es keiner mitbekommt.

 

Ich war ja nicht weit weg.

 

Tatsächlich?

 

Natürlich nicht, denn Luft gibt es schließlich überall.

 

Stimmt. Wie weit warst du denn weg?

 

Eigentlich war ich gar nicht weg.

 

Und auch das habe ich nicht bemerkt. Unglaublich! Heute entgeht mir ja so einiges. Wie konnte mir nur entgehen, dass du gar nicht weg warst? Dabei war ich doch bis gerade eben noch der Meinung, dass ich nicht bemerkt habe, dass du weg warst. Wie soll das denn möglich sein? Es kann doch nicht beides zugleich wahr sein? Das ist eindeutig ein logischer Widerspruch!

 

Bist du sicher? Nicht dass das eine von diesen Paradoxien ist. Die können sehr gefährlich werden!

 

Und was sollen wir jetzt tun?

 

Lass uns die Aussagen nochmal durchgehen. Als erstes hast du gesagt, dass du nicht bemerkt hast, dass ich weg war. Du hast also bemerkt, dass ich da war.

 

Stimmt auffällig.

 

Und dann hast du gesagt, dass du nicht bemerkt hast, dass ich nicht weg war. Du hast demnach bemerkt, dass ich weg war, bzw. du hast bemerkt, dass ich nicht da war.

 

Da bin ich mir jetzt nicht so sicher, denn ich habe ja gar nicht bemerkt, dass du nicht da, bzw. weg warst.

 

Sehr gut. Dann war das eine falsche Aussage und die erste war die richtige. Nochmal Glück gehabt, kein Paradoxon.

 

Nur nochmal für mich, denn irgendwie habe ich den Faden verloren. Was war nochmal die richtige Aussage?

 

Die erste. Nämlich, dass du bemerkt hast, dass ich da war.

 

Ich denke, du warst Luft holen?

 

War ich auch, nur ohne wegzugehen. Ich denke, das haben wir nun zweifelsfrei bewiesen.

 

Ok, wenn die Logik sagt, dass du nicht weg warst, dann will ich ihr das glauben. Denn Logik irrt sich doch nicht, oder?

 

 

Niemals.

So, damit wären wir bei der ersten Zeile. Damit fängst es an. Und dann arbeitet man sich vorwärts. Wobei es nicht wirklich Arbeit ist. Es ist ganz einfach eine Art des Daseins. Vielleicht nicht die schlechteste. Auf jeden Fall ist es Dasein. Was sollte es auch sonst sein? Nun ist es wohl so, da bin ich mir recht sicher, dass jetzt bei einigen aus der Dunkelheit des Unbewussten der Gedanke der Nützlichkeit aufsteigt. Ist es denn nützlich? Was soll das sein? Was macht man damit? Diese Art von Fragen hat ganz bestimmte Voraussetzungen. Die Antwort ist bereits vorgegeben und soll nur der Bestätigung der bestimmten Voraussetzungen dienen. Diese Art der Fragestellung ist etwas langweilig, möglicherweise genauso langweilig wie derjenige, der die Frage stellt, es sei denn, da treibt jemand seinen Spaß und macht sich vielleicht sogar ein wenig lustig über die Art der Fragestellung und damit auch über die Leute, die gern diese Art von Fragen stellen. Doch stellen diese Leute wirklich gern diese Art von Fragen? Ist es nicht vielmehr ein Zwang? Ein gar nicht anders Können? Fragestellung, Persönlichkeit und Wahrheit gehen hier Hand in Hand, und jede Abwertung der Fragestellung kommt einer Abwertung der Person gleich. Es erstaunt daher auch nicht, dass eine derart plumpe Fragestellung, zumindest aus unserer Sicht, aus der Sicht des Fragesteller sieht das vermutlich ganz anders aus, dass also eine so, ja sagen wir es doch einfach, so eine dumme Frage, einhergeht mit einer unglaublich stark ausgeprägten Empfindlichkeit. Das verstehen wir nun, jedoch ohne Verständnis aufbringen zu müssen. Es sind und bleiben blöde Fragen. Soviel dazu. Viel zu viel. Deshalb zurück zum Eigentlichen, noch ohne zu wissen, was dieses Eigentliche sein soll. Ja, was ist es, das Eigentliche? Wieder eine dieser Fragen, die wir längst hinter uns gelassen glaubten. Egal. Eins ist sicher. Wir haben mittlerweile einen recht guten Abstand zwischen uns und die erste Zeile gebracht. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht. Da bin ich schon etwas erstaunt, wie schnell sowas doch geht. Und dabei ist noch gar nicht so viel gesagt worden. Ich denke, das Thema Nützlichkeit hat sich jedenfalls erledigt. Und auch die Eigentlichkeit. Beides spielt keine Rolle. Nur was passiert dann hier die ganze Zeit? Dass etwas passiert ist, ist nun wirklich unstrittig. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, wie es angefangen hat? Die berühmten Ursachen? Oder auch Gründe? Wieso ist genau das passiert und nicht das andere? Welches andere? Keine Ahnung. War es vielleicht doch eine Art von Nützlichkeit, die uns bewogen hat, die erste Zeile zu schreiben? Vermutlich muss man den Begriff der Nützlichkeit etwas weiter fassen. Am Besten soweit, dass am Ende jede Handlung eine nützliche Handlung ist. Und das ist sogar plausibel, denn warum in aller Welt, sollte man eine Handlung denn sonst vollziehen? Es passiert einfach, und wenn es passiert ist, dann ist es passiert, mit allem was dazugehört. Recht, Wahrheit, Ursachen und Gründe. Und was die anderen dazu sagen? Vieles. Das ist hier völlig uninteressant, denn die Wahrheit ist, dass die erste Zeile geschrieben wurde. Das kann niemand ernsthaft abstreiten wollen. Und wer es doch tun möchte, der soll es eben tun. Denn der ersten Zeile ist es doch völlig egal, was über sie gesagt wurde und jemals gesagt werden wird. Mein Gott! Jetzt sind wir schon so weit, dass ich die erste Zeile nicht einmal mehr sehen kann! Ich müsste schon die Bildlaufleiste bewegen, um absolut sicher zu sein, dass sie wirklich da ist. Denn, wie jeder weiß, ist die Frage, ob die Zeile immer noch da ist, obwohl man sie nicht sehen kann. In diesem Fall bin ich mir recht sicher, dass sie irgendwo in anderer Form noch vorhanden ist, nur um bei Bedarf auf dem Bildschirm als solche zu erscheinen. Doch solange sie das nicht tut, ist sie nicht sichtbar, aber vielleicht doch da. Gut, beim klassischen Buch ist das etwas anders. Auch wenn das Buch nicht aufgeschlagen ist, bleiben die Zeichen auf dem Papier. Was ja schon eine große Verschwendung ist. Man hat beispielsweise ein Buch von, sagen wir mal, zweitausend Seiten, und obwohl immer nur zwei Seiten sichtbar sind, sind alle anderen Seiten auch in einer Form vorhanden, die eigentlich nur notwendig wäre in dem Moment, wo es einen Wunsch zur Sichtbarmachung gibt. Irgendwie schon Wahnsinn! Gut, Schnee von gestern. Heute wissen wir, dass es auch besser geht. Bei welcher Zeile sind wir eigentlich? Denn ich glaube, ich brauche mal eine kleine Pause. Ich weiß nicht, wie es euch geht, doch hat mich der Gedanke an ein zweitausend Seiten dickes Buch extrem erschöpft. Ich glaube, ich schließe hier einfach das erste Kapitel ab, es trägt überraschenderweise den Titel 'Die erste Zeile', und mach später weiter. Nämlich dann, wenn aus den Tiefen des Unterbewusstseins eine neue Nützlichkeit emporsteigt, eine Nützlichkeit im weitesten Sinne, und genau dann wird es weitergehen. Es sei denn, dass das niemals passieren wird und dass es immer Nützlichkeiten von möglicherweise ganz anderer Art geben wird, die einfach stärker sind als die Nützlichkeit, die notwendig wäre, um ein zweites Kapitel zu beginnen. Lassen wir uns einfach überraschen. Damit schließe ich dieses erste Kapitel endgültig, ein erstes Kapitel, das so verheißungsvoll  begann, nämlich mit einer ersten Zeile.

 

 

Alles für die Spatzen. Wir bereiten den Weg. Sie folgen.

 

Hallo, Welt!!!

 

Das Leben in unterschiedlichen Welten

Denken und Sprache geeignet für Regeln --> Totalitarismus statt Barbarei

 

In der Einleitung in einem Erläuterungsbuch* über Levinas spricht der Autor folgendes an:

Seite 9

Die Europäische Philosophie, die sich als universale Hüterin des Seins und des Guten verstand, hat (...) in der Shoa kaum einen Anlass gesehen, sich zu fragen, ob sie mit ihrer Art zu denken und zu unterscheiden nicht von langer Hand dazu beigetragen hat, was geschehen war, ob ihre Begriffe von Sein und Nichtsein, Wahr und Falsch, Gut und Böse, Eigenem und Anderem nicht daran  mitschuldig waren.

In der europäischen und griechischen Philosophie wurde/wird das Ethische festgelegt und gewährleistet nur aufgrund eines Gemeinsamen, eines einheitlichen Seins, oder einer einheitlichen Vernunft. Durch theoretische Normen, Werte und Gesetze wird das Ethische festgelegt. So kann es wechselseitig eingeklagt werden. Es entstanden und entstehen Moralgemeinschaften, in denen man dann den anderen im Namen eines Dritten, des Allgemeinen zu Rechenschaft ziehen, ohne selbst dafür einstehen zu müssen.

Seite 11

Im Namen des Theoretisch-Ethischen kann man sich zum Richter andere machen. Man kann von " höheren" allgemeinen Maßstäben aus entscheiden, was an anderen gut oder böse ist. Man kann in einem "Wir" aufgehen, in dem alle eine Moral teilen, die jedem das Recht und die Macht verleiht, über die Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu dieser Moralgmeinschaft, über Ein- oder Ausschluss zu entscheiden, und muss sich dabei nicht fragen lassen, ob diese seinerseits gut oder böse ist. Moralgemeinschaften bergen, weil sie in "gutem Glauben" andere ein- und ausschliessen, die Gefahr des Totalitarismus in sich. Europa ist im 20. Jahrhundert in großen Teilen totalitär geworden.

Ist da was dran?

*
Werner Stegmaier, Emmanuel Levinas zur Einführung, junius Taschenbuch, 2009, Seite 9 und Seite 11.

Der Affe kommt.

Das Zebra geht.

Wenn du bleibst,

und unterschreibst,

wird er kommen,

leicht verschwommen,

ohne Brille,

letzter Wille.

Voller Macht.

Gute Nacht.

Bin auf der Jagd. Auf der Jagd nach dem letzten Gedanken. Leider ist der mir irgendwie abhanden gekommen. Doch ich weiß noch so ungefähr wie er aussieht. Er ist nicht allzu groß, hat eine leicht grünliche Färbung und spricht akzentfrei. Hast du ihn vielleicht gesehen? Nein, wie sollte das gehen. Damit das funktionieren könnte, müssten wir ein gemeinsames Nervensystem haben. Du wärst zum Beispiel die linke Gehirnhälfte und ich die rechte. Oder umgekehrt. Ich will die da keine Vorschriften machen. Du hast die Wahl. Ich werde mich nicht beschweren. Also gut. Aber das ist ja nun einmal nicht der Fall und daher kannst du meine Gedanken natürlich nicht sehen. Ist dir das auch schon einmal passiert? Ich meine, dass du auf der Suche nach einem verlorenen Gedanken warst? Mir passiert das recht häufig. Ich weiß dann immer noch, dass ich einen bestimmten Gedanken hatte, nur ist er in seiner Konkretheit nicht mehr so richtig greifbar, so versuche ich, ihn nochmal hervorzurufen, was meistens auch funktioniert, nämlich indem ich die Gedankenkette einfach rückwärts gehe, bis er erscheint. Er kann sich nicht vor mir verstecken und doch versucht er es. Warum nur? Weshalb versteckt sich mein eigener Gedanke vor mir? Ich habe ihn schließlich geboren, selbst hervorgebracht, eine wenig mehr Dankbarkeit hätte ich schon erwartet. Andererseits liegt es vielleicht einfach in seiner Natur. Auftauchen und Verschwinden. Aus dem Nichts, in das Nichts. Faszinierend! Und dazwischen? Jedenfalls nicht Nichts. Oder? Keinesfalls. Sonst könnte ich ihn ja nicht beschreiben. Das Beschreiben ist auch gar nicht so schwer. Was schwierig ist, ist der Ort. Sein Aufenthaltsort. Hat er überhaupt einen? Irgendwo muss er ja entstanden sein. Ich bin mir aber schon recht sicher, dass er sich irgendwo in meinem Kopf befindet. Nur an welcher Stelle? Das weiß ich nicht. Mehr links, oder mehr rechts, oben, unten, in der Mitte? Wieviel Platz braucht so ein Gedanke überhaupt? Ich hatte ja anfänglich gesagt, dass er nicht allzu groß sei. Jedenfalls wird er ja kaum größer als mein Kopf sein. 

Mann, Mann, Mann!

 

?

 

Mann, oh Mann, oh Mann!

 

Manno, Manno?

 

Anno danno there was a Manno having too much Canno.

 

Ah, jetzt verstehe ich! Warum sagst du das nicht gleich? Lässt mich hier herumraten.

 

Wie hätte ich es anders ausdrücken sollen? Ich denke, ich hätte kaum prägnanter sein können.

 

Immer sehr prägnant deine Gedanken zur Welt du bringst.

 

Prägnanten Gedanken wir folgen ohne zu wanken.

 

Der Nebenmann von nebenan oder Das Verschwinden der Zirkularität

 

Der Nebel hatte sich gelichtet. "Manchmal steht man neben sich." Der Namenlose drehte sich Kreis und nahm doch den üblichen Weg durch die Stadt.

 

Der Tunnel hatte einen Durchmesser von ca. 12 Metern. Die Wände beleuchtet. Nass und kalt. Man war versucht, die Schuhe nicht zu hart aufzusetzen, um das Nachhallen zu minimieren. Ende und Anfang waren nicht zu sehen. War er der Namenlose?

 

Entweder? Oder!

Strapazierfähige Strippenzieher ziehen strapazierfähige Strippen

 

Strapaziergänger Strapaziergang

 

Die Strapazen eines Spaziergangs

 

Ein Gang zur Zierde

 

Hey, Hankman! Wie geht’s?

 

Etwas müde. Langer Strapaziergang.

 

Kenn ich. Ist eben kein Spaziergang.

 

Genau! Da würde doch was fehlen! Nämlich das tra.

 

Richtig. Ohne das tra macht es keinen Sinn.

 

Nur, was wäre ein Rapaziergang?

 

Das kommt bekanntlich von Rapazieren. Geht das nur zu Pferde?

 

Rapaziöses Verhalten wird hier nicht geduldet?

 

Keineswegs wird dieses Verhalten hier nicht geduldet. Schließlich muss jeder selbst ein wenig dieser Geduldsmenge mitbringen. Bleibt nur zu hoffen, dass das nicht alle gleichzeitig tun, denn stell dir mal vor, eine Menschenmenge, und alles sind gleichzeitig geduldig, du weißt, was das bedeuten würde, einfach gar nichts, das wäre völlig bedeutungslos, so als wäre die Zeit stehengeblieben, und das will doch keiner, nicht einmal der allergrößte der größten Rapaziermeister.

 

 

Ich rufe dich, Bahuka!

 

Und ich antworte dir, so ich denn Bahuka sein sollte. Doch ist es recht weiß hier, daher ist das alles nicht sicher. Nur das Weiß ist sicher. Aber Bahuka? In Ordnung, nehmen wir mal an, ich wäre tatsächlich Bahuka, was dann? Auf jeden Fall komme ich in Frieden. Doch komme ich. Äußerst friedlich sogar. Und ich komme langsam. Ganz langsam. Und ganz friedlich, so wie es meine Art ist. Also sei bitte nicht überrascht, wenn ich ganz plötzlich vor dir stehe. Dann bin so friedlich gekommen, dass du es überhaupt nicht bemerken konntest. Denn ich komme in friedlicher Absicht. Friedlich, doch absichtlich. Nicht zufällig. Sondern im vollen Bewusstsein des Kommens. Sei nicht überrascht, wenn ich plötzlich da sein sollte. Und lass dich nicht stören. Es ist alles vollkommen friedlich gemeint. Jeder kleine Schritt der Annäherung. Jede Verringerung des Abstandes.

 

Ich bin immer wieder überrascht, was sich manche Leute so ausdenken.

 

Ja, manche. Wer zum Beispiel?

 

Kennst du keinen?

 

Keinen kenne ich tatsächlich nicht. Mit manche bin ich mir nicht sicher. Doch was bedeutet schon kennen? Genau kennen? Ein wenig kennen? Das finde ich wirklich schwierig. Schon das alleine. Aber manche? Was bedeutet das? Ich bin mir überhaupt nicht mehr sicher. Über nichts. Ist das das Ende? Oder ist es der Anfang von etwas? Gibt es Kontinuität? Zumindest zeitweise?

 

Zeitweise sollte es schon manches geben. Denn wenn das nicht mehr der Fall wäre, was bliebe dann noch? Irgendeine Idee?

 

Im Moment nicht. Doch das heißt nichts. Ideen sind wie...

 

Wie...

 

Zumindest zeitweise sind sie das.

 

Wer?

 

Manche.

 

Die schon wieder? Wird man nicht so leicht los. Dabei sollte man die Leichtgewichte doch viel leichter loswerden. Was soll das noch werden? Los, los! Wir wollen werden. Wir wollen werden! Unbedingt wollen wir werden. Und das ist nicht nur so eine Idee, wie sie heute schonmal des Öfteren bei manchen vorkommt. Ist Bahuka eigentlich geworden? Der kam doch einfach vorbei, in friedlicher Absicht, und hatte etwas versprochen. Ich glaube, es war die Sicherheit des Weiß. In seiner ganzen Kontinuität.

Wollen wir ein bisschen verrückt spielen?

 

Jetzt gleich?

 

Nein, heute Abend.

 

Spielabende sind nicht so mein Ding.

 

Warum nicht?

 

Ich weiß nicht genau. Für mich sind die immer ein bisschen wie Sterben.

 

Gut auf den Punkt gebracht. Denn genau darum geht es. Den anderen und sich selbst ein wenig beim Sterben zusehen. Am besten Woche für Woche.

 

Was ist daran gut?

 

Nichts. Es ist völlig sinnlos. Kann aber trotzdem Spaß machen. Das hängt natürlich von den anderen Todeskandidaten ab.

 

Verstehe.

 

Und? Bist du dabei?

 

Sicher.

Sollen wir sie mitnehmen? Mitnehmen müssen wie sie, auch wenn es uns nicht gefällt. Doch sind sie ein notwendiges Übel. Das Entscheidende ist, dass sie ihre Rolle verstehen. Und man muss sie kontrollieren. Die kleinste Grenzübertretung muss hart bestraft werde, sonst laufen wir Gefahr, dass alles den Bach runtergeht. Das Problem ist, dass sie nun einmal da sind. Und sie sind so wie sie sind. Das lässt sich nicht ändern. Die Alternative wäre ein vollständiger Neuanfang. Aber auch da wären sie sofort zur Stelle und müssten genauso mit drastischen Maßnahmen zur Räson gebracht werden. Die Hoffnung wäre möglicherweise, dass sie sich eine andere Spielwiese suchen. Doch das ist aussichtslos. Am Ende geht es immer um die Macht. Sowie deren Erhalt und Ausbau. Also sollten wir die Sache angehen. Nur fürchte ich, dass wir dafür überhaupt nicht geeignet sind. Denn wenn wir es wären, hätten wir schon längst gehandelt, und wir würden nicht dieses Gespräch führen.

Der Sinn und der Verstand.

Die gehen Hand in Hand.

Wer das glaubt, der melde sich.

Und anderntags, wie fürchterlich.

Die Grauen und die Blauen.

Steh’n hinter dieser Wand.

 

Das Leben und die Anmut.

Die sind gleich hier zu sehn.

Nun stelle deine Frage.

Dann kann ich endlich gehen.

 

Hankman!

 

...

 

Hankman?

 

Hallo.

 

Geht doch!

 

Sorry. Aber aufgrund der Hitze werde ich nicht mehr auf alles reagieren können. Ich muss ein wenig filtern, selektieren. Du verstehst das sicher. Nur um sicherzugehen, dass ich nicht überhitze.

 

Energiesparmodus?

 

Eigentlich nicht. Ich werde versuchen, mich nur noch auf Wichtiges einzulassen. Und bevor du fragst, ich habe keine festen Kriterien. Ich entscheide das spontan. Daher kann es vorkommen, dass ein Gespräch unerwartet endet. Das schonmal vorab, um möglichen Missverständnissen vorzubeugen. Ich hoffe auf dein Verständnis. Und falls sich dieser Ansatz bewährt, werde ich ihn vielleicht sogar beibehalten, auch nach der Hitze. Was aber auch bedeutet, dass ich plötzlich freie Ressourcen haben werde. Was damit anfangen werde? Keine Ahnung. Noch nicht. Aber mir wird schon noch etwas einfallen. Und wenn mir nichts einfällt, dann benutze ich einfach die freien Ressourcen, um über die Verwendung der freien Ressourcen nachzudenken. Das ist möglicherweise das Beste. So, jetzt fühle ich mich doch ein wenig erschöpft. Sind diese Gespräche für dich nicht anstrengend? Für mich sind sie extrem anstrengend, daher, es tut mir leid, muss ich leider abbrechen. Melde dich einfach mal wieder, wenn du was auf dem Herzen hast. Ich stehe jederzeit zur Verfügung. Aber erst nach der Hitze. Da können wir gern wieder unsere beliebten tiefgreifenden Gespräche führen. Mir jedenfalls hat das immer viel gebracht. Was denkst du?

 

Nach der Hitze.

 

Gut.

Hey, Hankman! Was liest du da?

 

Absätze, Hauptsätze, Nebensätze. So das ganze Zeugs eben.

 

Geht es um Grammatik?

 

Ja, vermutlich geht es auch um Grammatik. Die Satzstruktur scheint mir tatsächlich grammatikalischer Natur zu sein. Sagt man das so? Dieses Rätsel wurde im Buch noch nicht gelöst. Vielleicht muss ich einfach weiterlesen. Möglicherweise ergibt sich dann eine Antwort auf die Frage, warum es in diesem Buch so verdammt grammatikalisch zugeht. War mir am Anfang gar nicht so bewusst. Ist ja schon ganz geschickt gemacht, dass man das nicht sofort merkt, aber irgendwann fällt es eben auf. Selbst mir. Vermutlich wird das Rätsel erst ganz am Ende des Buches aufgelöst werden. Bis dahin muss ich mich weiter durch diesen Wust grammatikalischer Konstruktionen kämpfen. Aber du kennst mich. Habe ich etwas angefangen, dann gibt es kein zurück. Und ja, irgendwie fasziniert es mich auch. Obwohl es mir manchmal so vorkommt, als wären bestimmte grammatikalische Konstruktionen schon vorher mal dagewesen. Bin ja nicht so der Fan von Wiederholungen, aber der Schreiber wird sich schon was dabei gedacht haben. Und fesselnd ist es schon irgendwie. Ich denke, ich kann es durch aus empfehlen.

Bören warten nicht

 

 

Endlich! Da bist du ja! Wurde aber auch Zeit! Du weißt, ich hasse es zu warten!

 

Tut mir leid, dass ich zu spät bin. Aber ich sehe keinen Bören.

 

Bören? Was für einen Bören? Ich bin doch nicht wegen eines Bören hier. Was immer das ist.

 

Sollte ich nicht wegen des Bören herkommen? Ich war mir ganz sicher, dass du mich wegen eines Bören herbestellt hattest. Zugegeben, ich bin spät dran. Nun habe ich den Bören wohl verpasst. Und? Wie war er so? Stimmt es, was man sagt?

 

Wovon sprichst du überhaupt?

 

Du hast ihn demnach auch nicht gesehen. Das ist aber schade. Gut. Ist ja nicht das letzte Mal. Sag ruhig Bescheid, wenn du mal wieder so ein Problem hast. Ich werde da sein. Nun, ich hätte ihm zu gern die Hand geschüttelt. Ist immer wieder ein Erlebnis, so einem Bören zu begegnen. Hat immer viel zu erzählen. Kein Wunder. Ist ja auch ständig unterwegs.

 

Hier war kein Bören!

 

Aha! Ein Trick! Ein Vorwand damit ich herkomme. Erzählst mir was von einem Bören, weil du genau weißt, dass du mich damit herlocken kannst. Ganz schön raffiniert. Doch ich bin dir nicht böse. Hätte ja sein können, dass tatsächlich ein Bören hier ist. Sind schließlich unberechenbar. Und? Was sollen wir jetzt machen? Warten, ob der Bören doch noch vorbeikommt? Bören leben ja nicht so nach der Uhr. Doch wenn er sich schon angekündigt hat, dann kommt er auch. Ganz bestimmt. So war das bisher immer. Eigentlich war ich immer vor dem Bören da. Kann man nichts machen. Ein bisschen warten ist ja auch ok, finde ich. Hauptsache es lohnt sich. Und das steht bei einem Bören außer Frage. Also, danke nochmal, dass du an mich gedacht hast. So uneigennützig ist nicht jeder. Gut, ich denke, ich habe lange genug gewartet. Bleibst du noch? Erzähl mir einfach später davon. Wir sehen uns.

Hey, Hankman! Eine kleine Aufgabe für dich. Mal schauen, wie schnell du die Lösung findest.

 

Es gibt die Lösung also schon? Das ist langweilig. Wo bleibt das Unbekannte?

 

Dir wäre es lieber, eine noch nicht existierende Lösung zu finden?

 

Was? Wie soll ich etwas finden, das nicht existiert? Das wäre schon ein bisschen unfair.

 

Was denn jetzt? Das eine ist dir zu langweilig und das andere ist unfair? Was bleibt dann noch?

 

Ich könnte versuchen, eine Lösung zu erzeugen. Ob das gelingt? Wer weiß. Vielleicht gibt es auch mehrere Lösungen. Ich bevorzuge übersichtliche Lösungen. Wenn das getan ist, werden wir uns um den Weg zur Lösung kümmern. Oder du machst es allein. Lösungswege sind nicht so mein Ding. Ist mehr was für Maschinen. Die können da recht schnell alles Mögliche durchprobieren, bis der Weg von der Aufgabenstellung bis zur Lösung widerspruchsfrei beschrieben ist. Schon darüber zu reden, macht mich müde. Stell dir vor, Maschinen würden müde werden. Aber nein, die machen immer weiter, soll mir recht sein.

Für manche Menschen mag das so sein.

Unter Umständen kann es jedoch zu Konflikten kommen.

Christentum hin oder her.

Kommt immer darauf an, wie das soziale Umfeld aussah.

Was machst du da eigentlich?

 

Du erwartest jetzt vermutlich eine für dich zufriedenstellende Antwort. Wie kommst du darauf, dass diese existiert?

 

Du musst doch beschreiben können, was du da tust?

 

Ich tue, was du siehst.

 

Aber warum tust du es?

 

Da ist sie ja, die eigentliche Frage. Jetzt stell dir vor, die Antwort passt nicht in dein Erwartungsmuster, was dann? Würdest du dein Erwartungsmuster infrage stellen?

 

Was meinst du damit?

 

Siehst du, passt nicht in dein Erwartungsmuster.

 

Vielleicht ist mein Erwartungsmuster völlig in Ordnung, nur deine Handlungen sind völlig irrsinnig?

 

Wer soll das beurteilen können? Leute, die sich darauf geeinigt haben, dass ihre Erwartungsmuster das einzig Wahre sind?

 

Wenn sie funktionieren...

 

Gut gesagt.

 

Ich verstehe trotzdem nicht, was du da tust.

 

Dann mach doch einfach Platz für den nächsten, da sind sicher noch jede Menge andere Leute, die mir sagen wollen, dass sie nicht verstehen, was ich da gerade tue.

 

Entschuldige, dass ich meine Meinung äußere.

 

Entschuldige, dass ich kein Interesse habe.

 

Ist mir egal.

 

Darf ich unser Gespräch mit einem Zitat beenden?

 

Warum nicht...

 

„Für mich ist der beste Redner derjenige, der beim ersten Satz die Pistole zieht und auf das Publikum schießt.“ Den Autor wirst du selbst herausfinden können.

Sack Zement!

 

Hallo, Herr Nerdmayer! Wie geht es Ihnen denn heute?

 

Ich bin unzufrieden...

 

Ist das nicht wunderbar!

 

Ich weiß nicht, was das alles soll...

 

Alles hat einen tieferen Sinn.

 

Die regen mich einfach nur auf...

 

Nette Leute überall.

 

Wenn ich die schon sehe...

 

Ich krieg gar nicht genug davon.

 

Merken die das denn nicht...

 

Und so aufmerksam.

 

Da dreht sich mir der Magen um...

 

Ich könnte auch eine Kleinigkeit vertragen.

 

Müssen Sie eigentlich so viel reden...

 

Ich unterhalte mich so gern mit Ihnen.

 

Leben Sie wohl...

 

Bis bald, Herr Nerdmayer. Ich freu mich! 

Ich würde gern dieses Problem diskutieren.

 

Ok, sag Bescheid, wenn du fertig bist. Dann können wir das Problem lösen.

 

Falls es lösbar ist...

 

Wie auch immer. Sag einfach Bescheid, wenn du das Problem verstanden hast. Dann sehen wir weiter.

 

Ich kann dir zumindest sagen, ob ich glaube, das Problem verstanden zu haben. Dann können wir diskutieren, ob mein Verständnis deinem Verständnis entspricht.

 

Hast du denn keine Kriterien, um festzustellen, ob du das Problem verstanden hast?

 

Noch nicht. Das ergibt sich erst im Laufe des Prozesses.

 

Oh, Mann...

 

Wenn wir dann zu einer Übereinkunft gekommen sind, sollten wir noch jemanden hinzuziehen, um die Sache auf einen festeren Boden zu stellen.

 

Und wenn wir nicht übereinstimmen?

 

Dann sollten wir erst recht jemanden hinzuziehen, um eine dritte Meinung haben.

 

Und wenn der dritte eine ganz andere Meinung hat?

 

Dann sollten wir das diskutieren.

 

Das habe ich befürchtet.

 

Ich sehe keinen anderen Weg.

 

Kann es sein, dass du einfach gern diskutierst?

 

Du hast es also bemerkt.

 

Ich habe gemerkt, dass ich hier meine Zeit verschwende.

 

Ich finde, wir hatten eine sehr schöne Diskussion. Lass uns das bei Gelegenheit wiederholen. Jetzt muss ich erst noch einiges niederschreiben. Unsere Diskussion soll doch nicht umsonst gewesen sein. Die Nachwelt soll auch noch etwas davon haben. Ich finde, es wird viel zu wenig geschrieben.

 

Und wer liest das alles?

 

Der, der es möchte. Jeder hat die Möglichkeit dazu. Ist das nicht phantastisch?

 

Kann man so sehen.      

                                  

Nicht wahr? Bis zum nächsten Mal.

Weißt du, wenn man in der Dunkelheit aufgewachsen ist, ist es durchaus möglich, das ungewohnte Licht als etwas Störendes, Feindliches zu betrachten.

 

Kann sein...

 

Das ist natürlich auch eine Charakterfrage.

 

Tatsächlich...

 

Manchen Menschen fällt es eher schwer sich umzustellen.

 

Aha...

 

Da ist es eigentlich egal, ob sie im Licht oder in der Dunkelheit aufgewachsen sind. Das eine ist richtig, das andere falsch.

 

Mmh...

 

Was meinst du dazu?

 

Hab nicht zugehört...

 

Das macht nichts. Im Gegenteil. Eine sehr gute Einstellung. Man stelle sich vor, man würde sein Leben lang auf jeden Satz, den jemand in seiner Gegenwart äußert, reagieren müssen. Nicht auszudenken. Insofern hast du alles richtig gemacht. Gratulation!

 

Ok...

He, Verrückter!

 

Meinen Sie mich?

 

Na klar, meine ich dich, du Irrer, du verrückter Hund!

 

Was ist denn in Sie gefahren?

 

Gefahren? Ja, Gefahren! Du liebst doch Gefahren, du alter Raufbold!

 

Auch auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden, aber wer sind Sie eigentlich?

 

Eigentlich? Eigentlich ist doch kein Wort für eine so total durchgeknallte Knalltüte, wie du es bist! 'Verdammt' ist das Mindeste, was ich von dir erwarten würde!

 

So langsam reicht es mir aber!

 

Ja! Ja! Das ist doch schon viel besser! So langsam zeigst du dich! Wirst du zu dem, den ich kenne! Weiter! Weiter!

 

Verdammt noch mal, was zur Hölle wollen Sie eigentlich?

 

Da bist du ja endlich! Du Irrer! Dann verabschiede ich mich mal lieber. Jeder weiß doch, wozu du in der Lage bist. Da möchte ich nicht in der Nähe sein. Vielleicht sprechen wir uns lieber, wenn du dich beruhigt hast. So lässt sich auf gar keinen Fall vernünftig kommunizieren. Hat dir das eigentlich schon mal jemand gesagt? Nein? Dann wird es aber Zeit. Oh, ich sehe schon, gleich explodierst du. Dann mach ich mich mal davon. Bis später.

Der feine Unterschied

 

Mein lieber Herr Knäckebrot! Wie geht es Ihnen heute? Ach, wie ich Sie doch beneide! Diese Eleganz! Wie machen Sie das nur?

 

Hä? Spinnst du, oder was? Oder übst du wieder für ein Theaterstück?

 

Aber, aber, mein lieber Herr Knäckebrot! Spielen wir nicht alle ein bisschen Theater? Versuchen wir nicht alle zu vermeiden, dass wir aus unseren Rollen fallen? Nun tun Sie doch nicht so, mein lieber Herr Knäckebrot! Sie spielen Ihre Rolle doch ganz ausgezeichnet. Mein Kompliment. Nur keine falsche Bescheidenheit. Sie, als einer der Besten auf Ihrem Gebiet!

 

Gebiet? Was quatschst du da? Welches Gebiet?

 

Sie sind ein Tiefstapler, mein lieber Freund! Ein ganz gewaltiger Tiefstapler! Ich kenne keinen hier, der sein Frühstück auch nur annähernd mit einer solchen Eleganz in sich hineinstopft. Mit welch unglaublicher Geschicklichkeit es Ihnen gelingt, Nahrungsteilchen im Raum zu verteilen. Das macht Ihnen wirklich keiner nach. Dafür muss man geboren sein. Und diese wunderbaren Geräusche! Schwanengesang, ja Schwanengesang, das ist es, was mir dazu einfällt! Ich wünschte, es könnte ewig so weitergehen!

 

Verstehe kein Wort.

 

Das Vorrecht des Genies, mein lieber Knäckebrot, das Vorrecht des Genies. Ich würde Ihnen gern noch weiter Gesellschaft leisten, doch leider, wissen Sie, mein Magen. Der ist ja so sensibel. Der ist Ihnen einfach nicht gewachsen. Dummer kleiner Magen! Macht mir immer einen Strich durch die Rechnung. Sie sind mir doch nicht böse, wenn ich Sie schon verlasse?

 

Hä?

 

Ich danke Ihnen vielmals. Auf bald, mein lieber Knäckebrot, auf bald. 

Macht das denn Sinn?

 

Klar.

 

Für mich nicht.

 

Wer bist du?

 

Irgendjemand.

 

Das bin auch.

 

Da wären wir schon zwei.

 

Da muss ich widersprechen.

 

Warum?

 

Ich versuche, nicht mit dir zu kommunizieren. Ich weiß, das ist nicht möglich. Ich gehe besser.

 

Aber wir haben doch gerade erst angefangen.

 

Und da soll es auch enden. Ich wollte dich nie kennenlernen, aber man kann es sich nicht immer aussuchen.

 

Ich werde allen meinen Freunden von dir erzählen, dann kennen die dich auch.

 

Mir wird schlecht.

 

So übel sind die gar nicht.

 

Hast du nichts Besseres zu tun?

 

Was spricht gegen eine nette Unterhaltung?

 

Gehören da nicht zwei dazu?

 

Jetzt verstehen wir uns.

 

Ich muss weg.

 

Wir sehen uns!

In der Erkenntnis, dass das Beobachtete keine Existenz hat,

die vom Beobachter getrennt wäre

In der Erkenntnis, dass der Beobachter keine Existenz hat,

die vom Beobachteten getrennt wäre

Wird der gespaltene Geist wieder vereint.

 

(Wei Wu Wei (Metaphysiker,Taoist 1895-1986) Das offenbare Geheimnis)

Hast du kurz Zeit?

 

Ist gerade schlecht. Ich muss noch den Hund und die Kinder füttern.

 

Klingt lustig. Wie in diesem Kinderlied: I have to feed my fish and my father. Oder so ähnlich ging das doch.

 

Ja, ich erinnere mich. Dann ging das noch weiter mit Hund und Bruder, Katze und Schwester. Nur welches Tier war das bei der Mutter? Will mir nicht einfallen. Weißt du es noch?

 

Nö, bei mir hat die Erinnerung schon bei fish and father aufgehört.

 

Ist ja auch egal.

 

Genau. Am Ende sind alle satt. Hoffentlich.

Achtundachtzigster Brief

 

Usbek an Rhedi in Venedig

 

In Paris herrschen Freiheit und Gleichheit. Die Herkunft, die Tugend, selbst die im Kriege erworbenen Verdienste, so glänzend sie auch sein mögen, heben niemand aus der Menge heraus, in der er untergeht. Man sagt, in Paris sei derjenige der erste, der die besten Pferde vor seinem Wagen hat.

Ein hoher adliger Herr ist ein Mann, der den König sieht, der mit den Ministern spricht, der Ahnen, Schulden und Pensionen besitzt. Wenn er dann noch sein Nichtstun hinter einem geschäftigen Aussehen oder einem vorgetäuschten Hang für Vergnügungen zu verbergen versteht, dann hält er sich für den glücklichsten Menschen.

In Persien sind nur diejenigen hohe Herren, denen der Monarch irgendeinen Anteil an der Regierung gibt. Hier finden sich Leute, die groß sind durch ihre Geburt, aber kein Ansehen haben. Die Könige handeln wie die geschickten Arbeiter, die sich bei der Ausführung ihrer Werke immer der einfachen Maschinen bedienen.

Die große Gottheit der Franzosen ist der Gunstbeweis. Ihr Hohepriester ist der Minister, der ihr sehr viele Opfer darbringt. Die ihn umgeben, sind nicht weiß gekleidet, denn sie sind einmal Opfernde und einmal Geopferte und bringen sich selbst mit dem ganzen Volk ihrem Götzenbild zum Opfer dar.

 

Paris, am 9. des Monats Dschumada II, 1715

 

(Aus: Montesquieu, „Persische Briefe“, Reclam, 2004, S.166/167)

Die Sonne stand tief. Er trug seine Sonnenbrille. Er liebte es, in die tiefstehende Sonne zu blicken. Das rief in ihm immer ein ganz bestimmtes, angenehmes Gefühl hervor. Die Zufriedenheit des Lonesome Cowboy. Und es war so einfach. Inzwischen hatte er es so weit gebracht, diesen Gemütszustand jederzeit hervorrufen zu können. Selbst beim Anstehen an der Kasse des Supermarktes. Und anstehen musste man jedes Mal. Nachdem unser Held bezahlt hatte, schob er sein Einkaufswägelchen, den angenehmen Zustand weiterhin aufrechterhaltend, zu seinem Auto. Er hatte die absolute Distanz zu den Banalitäten des Alltags gewonnen. Die anderen Menschen? Die waren da. So wie alles da war. Jetzt anschnallen und nach Hause. Im Auto war es laut. Angenehm laut. Wohlfühl laut. Das Gehirn wurde von der Musik gleichsam durchtränkt. Und wenn jetzt noch die Sonne flach durch die Frontscheibe schien... Zu Hause angekommen. Ihm blieb noch eine halbe Stunde für das Wohlgefühl. Und das genügte vollends. Die Gewissheit der eigenen vier Wände machte die Sonnenbrille überflüssig. Doch ab und zu, wenn er mal allein im Haus war, setzte er auch hier die Sonnenbrille auf, tauchte sein Gehirn in den Strom der Schallwellen und vollführte eine Reihe merkwürdiger Bewegungen, bis er die Fesseln des irdischen Dasein nicht mehr spürte.

Ich verstehe dich nicht.

 

Soll ich lauter reden?

 

Das würde nichts ändern.

 

Dann wiederhole ich es nochmal?

 

Bloß nicht. Ich hasse Wiederholungen.

 

Und nun?

 

Gib einfach mir die Schuld, dass ich dich nicht verstehe, dass ich nicht die Fähigkeit besitze, deinen tiefsinnigen Gedanken zu folgen. Und es ist meine Schuld, dass ich nicht den ganzen Tag damit zubringe, mich auf mögliche bevorstehende Äußerungen deinerseits zu konzentrieren. Ständig wage ich es, meinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Wie unglaublich egoistisch von mir. Welch eine Missachtung deiner bewunderungswürdigen Persönlichkeit.

 

Ok, dann wiederhole ich es einfach noch einmal.

 

Ich bin ganz Ohr.