Johann, Barbara und die individuelle Kausalität

Der Atheist will Kausalität. Oder ist es der Naturalist? Der Materialist? Der Kausalist? Da soll sich einer auskennen. Nennen wir ihn doch deshalb einfach Johann. Also, Johann will Kausalität. (Vielleicht ist es auch Determinismus? Das wird jetzt wirklich zu kompliziert. Es bleibt bei der Kausalität.)

Barbara ist anderer Meinung als Johann. Sie versteht intuitiv, dass das nicht alles ist, dass die Wirklichkeit nicht nur kausal ist. Der sinnstiftende Mythos bringt für Barbara Wirklichkeit und Modell der Wirklichkeit in Einklang. Johann lehnt den Mythos als nicht-kausal ab. Johann bevorzugt die vollständig kausale Wirklichkeit. Nicht vollständig erklärbare Phänomene, wie das Leben, erklärt Johann so, dass es, mit dem Hinweis auf den Fortschritt in den Wissenschaften, früher oder später eine Erklärung geben werde. Beide, Barbara und Johann, haben gemeinsam, dass sie die Wirklichkeit metaphysisch in zwei Bereiche teilen. Wobei Johann versucht, die Inhalte des mythischen Bereiches, den Johann natürlich niemals so bezeichnen würde, aufzulösen, um sie im kausalen Bereich unterzubringen. Auf jeden Fall eine Herausforderung. Da hat es Barbara leichter. In ihrem Weltbild gibt es keine offenen Fragen. Das macht Johann ein bisschen wütend. Manchmal verspottet er Barbara sogar. Barbara macht das nichts aus. Johann tut ihr sogar ein bisschen leid. Schließlich ist er gezwungen, alles rational begründen zu müssen.

 

Doch schon das Lügner-Paradoxon zeigt, dass die Auffassung von einer rein kausalen Wirklichkeit zu logischen Problemen führt. Die Zirkularität ist nur das Symptom für das Problem.

Das handelnde Individuum macht Schwierigkeiten. Das Paradoxon lässt sich nur vermeiden (nicht lösen), wenn man zu einem Weltbild übergeht, das das Individuum als nicht-kausalen Bestandteil der Wirklichkeit berücksichtigt.

 

Die metaphysische Aufteilung der Wirklichkeit in zwei Bereiche, die dualistische Weltsicht, die aus unserer Art der Wahrnehmung resultiert, mit dem Ich als Betrachter der Welt, schafft erst die Bedingung für die Möglichkeit an Übernatürliches zu glauben, oder auch nicht zu glauben.

 

Das bedeutet für denjenigen, der die dualistische Weltsicht nicht teilt, sondern die Welt eher als eine Ansammlung von handelnden und kommunizierenden Individuen betrachtet, die soziale Gemeinschaften bilden können, dass die ganze Johann/Barbara-Problematik, für ihn persönlich, gar nicht existiert. Er wundert sich möglicherweise über die ganzen Streitigkeiten und darüber, dass er von den Vertretern des einen Lagers, als Vertreter des jeweils anderen Lagers gesehen wird.

 

"Gefangen im Ich-Welt-Dualismus, als Leistung seines evolutiv entwickelten Nervensystems, ist der Mensch blind für die Komplexität der Wirklichkeit."