Informationszombies und irreversible Wahrheiten

Dieses ständige Geplapper. Nicht zum Aushalten. Das ist gerade so, als müsste man sterben, wenn man aufhört zu reden. Weiter, immer weiter. Reden als Selbstversicherung, das man noch am Leben ist. Verstummen könnte den Tod bedeuten. Was, wenn man aufhört zu reden und plötzlich geht es nicht mehr. Man hat einfach vergessen, wie man das macht, zu sprechen. Nach und nach verstummen alle Menschen auf der Welt. Nur ein paar Unentwegte sprechen immer weiter. Sinnlose Sätze. Nur noch Gebrabbel. Unverständlich. Unsinnig. Alle anderen möchten schreien: „Hört auf damit! Es ist nicht zum Aushalten!“ Doch bekommen sie kein Wort heraus. Eine Meute stummer Zombies stürzt sich auf die immer verzweifelter Sprechenden, um sie zu hindern, weiterhin unerträglich sinnlosen Wortmüll von sich zu geben. Dann endlich. Stille. Was nun? Nichts. War alles nur ein Spaß. Es gibt gar keine Leute, die ständig sinnloses Zeug plappern. Der Fehler ist das Gleichsetzen von Sinn und Information. Beim netten, belanglosen Gespräch geht es einzig und allein um das Herstellen von Gemeinsamkeiten mittels Kommunikation. Wenn dabei ein paar wertvolle Informationen abfallen, umso besser. Wann ist die Gemeinsamkeit hergestellt? Wenn die Aktion des Gegenübers sich mit der eigenen Erwartungshaltung deckt. Wenn das von beiden Seiten der Fall ist, dann wurde eine Gemeinsamkeit geschaffen. Vielleicht waren die beiden auch schon vorher derselben Meinung, bevor sie sich darüber verständigt haben. Doch zu wissen, dass das Gegenüber ebenfalls die eigene Ansicht teilt, ist zweifellos etwas Neues, Übergreifendes. Und auch wenn das Gegenüber nicht die eigene Ansicht teilt, dann besteht doch Übereinstimmung. Es geht tatsächlich nur um die Übereinstimmung von Erwartungshaltung in Bezug auf die Handlung des Gegenübers und seine tatsächliche Handlung. Und nicht um übereinstimmende Ansichten. Wurden sich die Standpunkte gegenseitig klar gemacht, kann man ganz geschmeidig zum nächsten Thema übergehen. Das ist doch etwas völlig anderes, als sich darüber zu streiten, ob etwas wahr oder falsch ist. Das wäre eher die Informationssichtweise. Das eine Individuum produziert eine Information, setzt sie in die Welt, und da ist sie nun. Völlig selbständig. Nicht mehr wegzubekommen. Keiner weiß mehr so genau, wie und warum sie eigentlich entstanden war. Aber es lässt sich vortrefflich darüber streiten. Ist das nicht fantastisch. Einfach Fakten schaffen. Irreversibel. So also entsteht Neues. Auch wenn manches davon glücklicherweise in Vergessenheit gerät. Doch irgendwann war es da. Entstanden quasi aus dem Nichts. Produziert von Individuen, die selbst nicht verstehen, wie das Produzieren der Aussagen funktioniert. Auch ich bin nur ein Individuum, das irgendwelche Aussagen produziert. Wie und warum auch immer. Doch produziere ich auch Informationen oder gar Wahrheiten?