Die Anderen im System – Stillschweigende Voraussetzungen (Fortsetzung)

„Damit wird postuliert, daß die Beschreibung eines komplexen Systems (bekanntlich dadurch definiert, daß es zu seiner Beschreibung eine Vielzahl von Beschreibungsstandpunkten verlangt) nicht dadurch geleistet wird, daß die eine und einzige Logik-Arithmetik bzw. Methodik entsprechend dem Grad der Komplexität verschieden oft angewandt wird und so den Komplex durch einen Beschreibungsweg rekonstruiert bzw. modelliert, und als theoretisches Resultat, als Resultat einer Applikation festhält.

 

Eine solche Applikationsweise übersieht zweierlei: einmal, daß das komplexe System als Ganzes so strukturiert ist, daß seine kooperierenden Teilsysteme qua hierarchische Systeme je zugleich bestehen, daß zwischen ihnen eine nicht reduzierbare Koordination und Kooperation besteht. Die Applikation linearisiert die Komplexität in ein Nacheinander von Systemen. Der Komplex wird hierarchisiert, einmal durch die Abfolge der Beschreibungsschritte und dann durch die metatheoretische Einvernahme durch die Hierarchie von Logik und Applikation derselben. Andererseits wird stillschweigend vorausgesetzt, daß die Orte, die jedes einzelne Teilsystem einnimmt, mit den anderen kommensurabel sind, daß die Orte untereinander homogen sind und daß daher einer Applikation der Logik, die selber einen Ort einnimmt, nichts im Weg steht, weil zwischen der Struktur, der Qualität des Ortes der Logik und der Qualität des Ortes der Applikation keine Differenz, kein Hindernis, keine Kontexturschranke liegt. Es wird also die Homogenität der Orte angenommen.“

 

(Aus: Rudolf Kaehr, „Kompass: Expositionen und Programmatische Hinweise zur weiteren Lektüre der Schriften Gotthard Günthers“, Seite 13, Profil-Verlag, München 1994, sowie www.vordenker.de)