Ein sprachspielerisches Juwel, das in der Tradition von Dada, Carroll und Jandl die Grenzen der Sprache als Träger von Sinn befragt. Es zelebriert das Sprechen selbst – als Spiel, als Begegnung, als Verweigerung des Ernstes. Gerade dadurch wird es tiefphilosophisch. Indem der Text sich weigert, eine Botschaft zu transportieren, stellt er die Botschaftlichkeit von Sprache selbst in Frage. Und in dieser Weigerung liegt eine Form von Freiheit.
Nanu, nanu? Was machst‘n du?
Was ich so tu? So La Di Lu.
So La Di Lu? Das kenn ich nicht. Nur Lady Lu und Boogaloo.
Boogaloo? Klingt komisch sehr. Da frag ich mich, wozu noch mehr?
Was heißt noch mehr? Das heißt noch Mohr. I promise, bei my linkes Ohr.
Links hör ich nicht so gut. Nur rechts. Much better. Was ist das heute für ein Wedder?
Kein donnerndes. Soweit ich höre. Potz Blitz. Bei Zeus. Ist was ich schwöre.
Geschwöre und Geschwure. Das seh ich gar nicht ein. Drum schau ich weg.
Weit weg? Und wann geht’s weiter, bitte sehr?
Geduld, Geduld, nicht drängle mich. Hurra, hurra, bei mir wird Licht.
So helle du doch bist. Ist sonst wie keiner. Den kenn ich nämlich. Reimt sich Rainer.
Ein reiner Reim, was Schönes ist. Verzichtet auf die Pose.
So schlicht, so klar, so merveilleux. Es ist 'Le Ding famose'!
Famosu Dingu. Alles klar. Ich warte hier. Bis nächstes Jahr.
Nicht mit Geduld du bist verwandt. Schön, es geht weiter, sei gespannt.
Ich brauch kein Schön. Mir reicht ein Schon, ein kleines.
Famosu Dingu, das ist meines.
Gegönnt es sei. Mir einerlei. Famosu Dingu. Wie auch immer. Geschenkt. Ich mach’s nicht schlimmer.
Dann mach ich weiter La Di Lu. Vielleicht auch Boo, mit Ga und Loo.
Okay, okay, geb mich geschlagen. War trotzdem nett. Das geb ich zu.
Das gleiche will ich auch behaupten. Ein bisschen Plauderei, so über nichts, das ist doch was.
Nicht übertrieben. Nur zum Spaß.
Doch nun genug. Bis nächstes Mal.
Im Kommunikationskanal.
Analyse
Der Text „La Di Lu und Boogaloo“ spielt auf originelle Weise mit Sprache, Rhythmus und Sinnverweigerung. In einem scheinbar leichten, fast kindlich-verspielten Dialog entfaltet sich eine Form des „sprechenden Unsinns“, der sich bei näherem Hinsehen als subversive Reflexion über Kommunikation, Bedeutung und das Spiel mit kulturellen Codes entpuppt.
Was wirkt wie ein dadaistisches Sprachspiel, offenbart sich bei Analyse als poetische Strategie der Welterfassung jenseits diskursiver Rationalität. Der Text lässt sich als Hommage an den Nonsens verstehen – eine literarische Form, die weniger Unsinn als vielmehr eine andere Ordnung des Sinns produziert.
1. Das Spiel mit Sprache: Zwischen Reim, Klang und Bedeutungslosigkeit
Der Dialog lebt vom Sprachspiel: Reime, Anklänge, Wortverdrehungen und Neuschöpfungen („Famosu Dingu“, „La Di Lu“, „Boogaloo“) erzeugen eine Atmosphäre der heiteren Entkopplung von festem Sinn. Damit reiht sich der Text ein in eine lange Tradition poetischer Sprachkritik, von den Dadaisten über Ernst Jandl bis zu Lewis Carrolls Jabberwocky.
„Boogaloo? Klingt komisch sehr. Da frag ich mich, wozu noch mehr?“
Solche Zeilen führen Bedeutung ad absurdum – und führen gerade dadurch den Zwang zur Bedeutung vor. Indem Worte lose verknüpft sind, aber dennoch in Klang- und Rhythmusmustern zusammenfinden, entsteht eine musikalische Kohärenz, wo semantisch keine ist. Sprache wird hier nicht als Medium der klaren Mitteilung verwendet, sondern als klangliches Ereignis – ein Thema, das etwa auch Walter Benjamin in seiner Sprachphilosophie aufgreift.
2. Kommunikation als Selbstzweck: Die Feier des Inhaltslosen
Zentrales Thema des Dialogs ist nicht was gesagt wird, sondern dass gesprochen wird. Die Figuren tauschen sich über scheinbar Belangloses aus – und doch entsteht daraus Nähe, Interaktion und Humor. Der Text dekonstruiert damit implizit den Anspruch, dass Sprache immer einen klaren Inhalt oder ein Ziel haben müsse.
„Ein bisschen Plauderei, so über nichts, das ist doch was.“
Dieser Satz ist ein Schlüssel. Er erkennt an, dass das Sprechen selbst – auch ohne objektivierbaren Inhalt – einen sozialen und existenziellen Wert hat. Wie in den Arbeiten von Ludwig Wittgenstein (Philosophische Untersuchungen) wird deutlich, dass die Bedeutung einer Äußerung im Gebrauch liegt – und nicht in ihrer Übersetzbarkeit in Fakten.
3. Nonsens als Erkenntnisstrategie
Was zunächst wie bloßer Nonsens wirkt, lässt sich auch als eine Art Erkenntnismodus deuten. Im Text geht es um Improvisation, das Sich-Einlassen auf das Unerwartete, das Widersprechen der Erwartung. Dieser Zugang erinnert an Zen-Koans – absurde, paradoxe Aussagen, die gerade durch ihre Unauflösbarkeit zur Erleuchtung führen sollen.
Auch das Auftauchen von „Wedder“ (Wetter), „Potz Blitz“ und Verweisen auf mythologische Figuren wie „Zeus“ evoziert ein assoziatives Weltbild: Wörter rufen andere hervor, Bedeutungen springen über – nicht linear, sondern rhizomatisch (vgl. Gilles Deleuze und Félix Guattari: Rhizom).
4. Der Reim als Widerstand gegen Ernst und Eindeutigkeit
Der ständige Reim gibt dem Text eine Leichtigkeit, die gegen ernste, logozentrische Kommunikation steht. Reim ist eine Form der Sprach-Musikalisierung, die dem rationalen Diskurs eine körperlich-poetische Praxis entgegensetzt. Ähnlich wie bei Christian Morgenstern (Galgenlieder) erzeugt dies einen Raum jenseits des Zweckdenkens.
„Ich brauch kein Schön. Mir reicht ein Schon, ein kleines. / Famosu Dingu, das ist meines.“
Die Bedeutung liegt nicht im Inhalt, sondern im rhythmischen Vollzug. Die sprechenden Figuren erschaffen sich in der Sprache – nicht durch das, was sie sagen, sondern wie sie es sagen.
5. La Di Lu als Lebenshaltung?
Was ist „La Di Lu“? Keine bekannte Bedeutung – und gerade das macht es fruchtbar. Es ist möglicherweise eine Metapher für das Nicht-Erklärbare, das Verspielte, das Kindlich-Philosophische. Die Figur, die „La Di Lu“ macht, steht außerhalb des produktiven Ernstes, verweigert sich dem Zwang zur Zweckhaftigkeit.
Man könnte sagen: „La Di Lu“ ist ein post-existenzialistisches Mantra. Eine Haltung gegenüber der Welt, die das Absurde mit einem Lächeln beantwortet (vgl. Albert Camus, Der Mythos des Sisyphos).
Fazit: Der Nonsens als Form höherer Sinnlichkeit
„La Di Lu und Boogaloo“ ist ein sprachspielerisches Juwel, das in der Tradition von Dada, Carroll und Jandl die Grenzen der Sprache als Träger von Sinn befragt. Es zelebriert das Sprechen selbst – als Spiel, als Begegnung, als Verweigerung des Ernstes. Gerade dadurch wird es tiefphilosophisch.
Indem der Text sich weigert, eine Botschaft zu transportieren, stellt er die Botschaftlichkeit von Sprache selbst in Frage. Und in dieser Weigerung liegt eine Form von Freiheit: La Di Lu, das ist nicht „nichts“, sondern ein anderes Etwas.
Literarisch-philosophische Verweise:
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Lewis Carroll: Jabberwocky
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Christian Morgenstern: Galgenlieder
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Ernst Jandl: ottos mops
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Gilles Deleuze & Félix Guattari: Rhizom
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Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen
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Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos
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Zen-Buddhismus: Koans und paradoxe Erleuchtung
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Hugo Ball & Dadaismus: Karawane
